Aktualisiert am 14. January 2026
Finanztipps für Doktorandinnen
Klug vorsorgen, mit Spaß investieren
Podcast GLÜCKLICH PROMOVIEREN: Episode #192
Finanzen im Griff: Auch mit kleinem Budget
In diesem Doppelinterview erfährst du, wie du als Promovendin klug vorsorgst, Sicherheit gewinnst und den Überblick behältst – auch ohne großes Einkommen. Du nimmst mit:
- Warum Finanzen in der Wissenschaft oft ein Tabuthema sind – und weshalb es sich lohnt, das zu ändern.
- Welche Glaubenssätze Frauen vom Investieren abhalten und wie du sie Schritt für Schritt hinter dir lässt.
- Wie du auch mit kleinen Beträgen den Einstieg findest – und warum frühes Handeln sich langfristig auszahlt.
- Was du über Rücklagen, Stipendium, Elternzeit und befristete Verträge wissen solltest, um finanziell klug zu planen.
Finanzen in der Promotion: So sorgst du klug vor
Viele Promovierende schieben das Thema Finanzen vor sich her. Zu kompliziert, zu trocken, zu wenig Geld. Dabei ist gerade die Promotionszeit ein entscheidender Moment, um die eigene finanzielle Zukunft zu gestalten – egal, wie klein das Einkommen ist.
Im Gespräch mit Michaela Harlacher, Gründerin von Moneyladies und Finanzmentorin für Frauen, und Regina Ruf, frisch promovierte Linguistin, wird klar: Es braucht kein großes Gehalt, um klug vorzusorgen, sondern den Mut, anzufangen.
1. Warum Finanzen in der Wissenschaft selten Thema sind
In der akademischen Welt geht es oft um Theorie, Forschung und Inhalte, aber selten um Geld. Dabei betrifft finanzielle Unsicherheit fast alle Promovierenden.
„Finanzen passen nicht in den akademischen Diskurs, der sich auf inhaltliche und theoretische Aspekte konzentriert“, sagt Regina Ruf.
„Diese Fragen gehören in den Bereich der lebenspraktischen Themen, die im Alltag der Wissenschaft ausgeklammert werden“, führt sie fort. Ein Grund mehr, warum es wichtig ist, sich das Wissen selbst zu holen und frühzeitig Verantwortung zu übernehmen.
2. Alte Glaubenssätze und neue Perspektiven
Viele Frauen, erzählt Michaela Harlacher, tragen innere Überzeugungen in sich, die sie vom Handeln abhalten: „Typische Glaubenssätze sind: Ich habe keine Zeit. Ich habe nicht genug Geld. Ich kann jetzt nicht anfangen.“ Gerade Promovierende denken oft, das Thema könne warten, doch das Gegenteil ist der Fall.
Regina Ruf erinnert sich: „Ich dachte immer, Finanzen sind etwas Kompliziertes. Ein riesiges Feld, das man nur versteht, wenn man gut in Mathe ist. Das stimmt natürlich nicht.“
Sobald man das eigene Denken überprüft, öffnet sich der Blick. Denn:
Geld ist kein Tabu, sondern ein Werkzeug für Selbstbestimmung und Freiheit.
3. Die ersten Schritte: Überblick schaffen und Struktur gewinnen
Am Anfang steht nicht das Investieren, sondern das Verstehen. „Ich würde vorschlagen, dass man erst mal schaut: Wie sieht es mit meinen Einnahmen und Ausgaben aus?“, sagt Michaela Harlacher. „Ein Haushaltsbuch zu führen bringt viele Erkenntnisse und man entdeckt oft Abos oder Verträge, die man gar nicht mehr nutzt.“
Ein einfacher Einstieg ist das sogenannte Kontenmodell, mit getrennten Bereichen für Fixkosten, Spaß und Rücklagen.
„Man bekommt das Geld aufs Konto und verteilt es, zum Beispiel zehn Prozent aufs Spaßkonto, zehn Prozent aufs Investitionskonto, fünfzig Prozent auf Miete und Lebenshaltung“, erklärt Michaela. So entsteht Transparenz und das Gefühl, die eigenen Finanzen im Griff zu haben.
4. Warum es sich lohnt, früh zu starten
Viele Promovierende denken, sie verdienen zu wenig, um zu investieren. Doch genau das sei ein Irrtum, betont Michaela Harlacher: „Heutzutage funktioniert das schon ab zehn Euro im Monat. Langfristig baut sich da trotzdem etwas auf.“
Und das lohnt sich:
„Je früher man anfängt, desto besser. Aber selbst wer erst später beginnt, profitiert noch vom Zinseszinseffekt.“
Regina Ruf ergänzt aus ihrer Erfahrung: „Ich habe angefangen, einfach weil ich Angst vor Altersarmut hatte. Heute weiß ich: Das war die richtige Entscheidung. Ich bin viel entspannter, weil ich weiß, dass mein Plan steht.“
5. Finanzplanung trotz Stipendium, Elternzeit und befristeten Verträgen
Unsichere Einkommensphasen gehören in der Promotion fast immer dazu. Trotzdem kann man vorsorgen. „Man kann die Sparrate jederzeit anpassen, aussetzen oder erhöhen“, erklärt Regina Ruf. „Da ist volle Flexibilität gegeben.“
Gerade Promovierende sollten zudem Rücklagen aufbauen: „Ich würde bei Promovierenden zu sechs Monatsgehältern raten“, sagt Regina. „Damit man diese Zeiten gut überbrücken kann und nicht in Schwierigkeiten gerät.“
Und wer Kinder plant, sollte rechtzeitig prüfen, welche Leistungen und Verlängerungen bei Stipendien gelten. „Wenn man ein Stipendium hat, hat man keine gesetzlichen Ansprüche auf Elterngeld“, betont Regina. „Deshalb ist es wichtig, vorher zu planen.“
6. Geld als Freiheit – nicht als Pflicht
Zum Schluss wird deutlich, was beide antreibt: Sich mit seinen Finanzen zu beschäftigen bedeutet nicht Einschränkung, sondern Freiheit.
„Geld bedeutet auch Wahlmöglichkeiten. Man entscheidet, möchte ich meinen Urlaub im Zelt verbringen oder im Fünf-Sterne-Hotel. Man hat einfach immer die Wahl.”, sagt Michaela Harlacher.
Und Regina Ruf ergänzt: „Es ist ein Bereich in meinem Leben, der jetzt einfach aufgeräumt und gut strukturiert ist. Und daran habe ich sehr viel Freude.“
Deine Take-Away-Botschaft aus diesem Interview:
Geld ist kein Selbstzweck, sondern eine Möglichkeit, das eigene Leben aktiv zu gestalten: auch (und gerade) während der Promotion.
Fazit
Finanzielle Unabhängigkeit beginnt nicht mit einem hohen Gehalt, sondern mit einem ersten Schritt: hinsehen, planen, entscheiden.
Wie bei der Promotion gilt auch hier: Alles ist besser als nichts.

Michaela Harlacher
Unternehmerin

Regina Ruf
Linguistin
Regina Ruf hat in germanistischer Linguistik promoviert und kennt das Wissenschaftssystem aus eigener Erfahrung – mit all seinen Chancen, Unsicherheiten und Befristungen.
Während ihrer Promotion begann sie, sich intensiv mit ihren Finanzen zu beschäftigen – angetrieben von der Frage, wie finanzielle Sicherheit trotz wechselnder Anstellungen oder Stipendien gelingen kann.
Heute teilt sie ihre Erfahrungen offen, um anderen Promovendinnen Mut zu machen, sich frühzeitig mit dem Thema Finanzen auseinanderzusetzen.
Die Links aus der Episode im Überblick:
Zur Website von Finanzmentorin und “Moneylady” Michaela Harlacher
Zum LinkedIn-Profil von Regina Ruf
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Hallo, ich bin Dr. Marlies Klamt!
Jahrelang habe ich selbst nach einem Weg gesucht, glücklich und zufrieden zu promovieren. Ich musste meine eigene Dissertation sogar 2x schreiben, bis ich ihn gefunden habe. Im zweiten Anlauf war ich nicht nur nach 9 Monaten fertig, sondern hatte die beste Work-Life-Diss-Balance meiner gesamten Promotionszeit. Die Krönung meiner Promotionsreise war schließlich die Bestnote für meine Disputation.
Heute unterstütze ich Doktorandinnen wie dich durch Coachings, Kurse und meinen Podcast "Glücklich promovieren". Ich glaube fest daran, dass alle Superkräfte, die du für eine glückliche Promotion brauchst, bereits in dir schlummern. Lass sie uns gemeinsam wecken!




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