Aktualisiert am 1. June 2026
Vom fachbuch zum Sachbuch
So machst du aus einer Diss ein Buch
Podcast GLÜCKLICH PROMOVIEREN: Episode #201
Wie aus deiner Diss ein populärwissenschaftliches Buch wird
Vielleicht dachtest du schon mal: Eigentlich könnte aus meiner Dissertation später noch ein Buch werden. Kein wissenschaftliches Fachbuch, sondern ein zugängliches, verständliches und vielleicht sogar unterhaltsames Sachbuch. Genau darüber habe ich mit Svenja Hirsch gesprochen. Svenja ist Businessbuch-Mentorin, ehemalige Verlegerin und begleitet Frauen dabei, Sachbücher zu schreiben und zu veröffentlichen. Im Folgenden findest du eine Zusammenfassung unseres Gesprächs.
Was ist der Unterschied zwischen Dissertation, Fachbuch und Sachbuch?
Eine Dissertation ist zunächst eine wissenschaftliche Forschungsarbeit. Sie muss zwar veröffentlicht werden, damit der Doktortitel anerkannt wird, aber das bedeutet nicht automatisch, dass daraus ein Buch für ein breites Publikum entsteht.
Ein Fachbuch ist ebenfalls nicht fiktional, richtet sich aber meist an ein akademisches oder fachlich spezialisiertes Publikum. Es ist oft geprägt von Fußnoten, Sekundärliteratur, Fachbegriffen und einem wissenschaftlichen Stil.
Ein Sachbuch ist dagegen zugänglicher geschrieben.
Es richtet sich an ein breiteres Publikum und arbeitet stärker mit verständlicher Sprache, Beispielen, Geschichten und manchmal auch Unterhaltung. Es geht nicht nur darum, Forschung zu dokumentieren, sondern Wissen so aufzubereiten, dass Menschen außerhalb der wissenschaftlichen Community etwas damit anfangen können.
Über Svenja Hirsch
Svenja Hirsch ist Literaturwissenschaftlerin, ehemalige Verlegerin und Autorin mehrerer eigener Bücher. Heute begleitet sie Frauen dabei, fundierte Sachbücher zu schreiben und zu veröffentlichen, mit dem Ziel, ihr Wissen sichtbar zu machen und sich als Expertinnen zu positionieren.
Im Podcast spricht sie darüber, wie aus einer Dissertation ein populärwissenschaftliches Buch werden kann und warum wissenschaftliche Themen oft mehr Potenzial für ein breites Publikum haben, als viele denken.
Wenn du tiefer einsteigen möchtest, melde dich für ihre kostenfreie „7-Tage-Sachbuch“-Challenge an, die in Kürze startet.
Eignet sich jedes Dissertationsthema für ein Sachbuch?
Nicht jedes Thema eignet sich automatisch, aber bei jedem Thema kann man erst einmal prüfen, ob es Sachbuchpotenzial hat.
Entscheidend ist laut Svenja: Das Thema sollte ein konkretes Problem ansprechen. Das kann ein gesellschaftliches, persönliches oder berufliches Problem sein. Wichtig ist, dass es Menschen wirklich bewegt und dass es eine erkennbare Zielgruppe gibt.
Gerade wenn du mit einem Verlag veröffentlichen möchtest, spielt diese Relevanz eine große Rolle. Verlage wollen sehen, dass ein Thema Anklang finden kann und dass es Menschen gibt, die dieses Buch lesen möchten.
Gibt es Beispiele für Dissertationen, aus denen Sachbücher geworden sind?
Ja, Svenja nennt mehrere Beispiele.
Ein bekanntes Beispiel ist “Darm mit Charme” von Giulia Enders, das aus ihrer Forschung beziehungsweise aus ihrem wissenschaftlichen Kontext entstanden ist und durch einen Science-Slam-Vortrag bekannt wurde.
Außerdem nennt Svenja “Vulva. Die Enthüllung des unsichtbaren Geschlechts” von Mithu Sanyal, das aus einem Dissertationsthema entstanden ist und zum Spiegel-Bestseller wurde.
Auch “Imagination als heilsame Kraft” von Luise Reddemann basiert auf ihrer Forschung und gilt heute als wichtiges Werk im Bereich der imaginativen Traumatherapie.
Daneben gibt es Bücher, die nicht direkt aus Dissertationen, aber aus Fachliteratur entstanden sind. Als Beispiel nennt Svenja Stefanie Stahl, deren erfolgreiche Bücher laut ihr auf Fachliteratur beruhen, die für ein breiteres Publikum neu aufbereitet wurde.
Was muss ich verändern, wenn aus einer Dissertation ein Sachbuch werden soll?
Der wichtigste Punkt ist die Sprache.
Während sich eine Dissertation an Fachkolleg*innen richtet, soll ein Sachbuch Menschen außerhalb dieses engen Fachkreises erreichen. Du dokumentierst dann nicht einfach deine Forschung, sondern bereitest dein Wissen so auf, dass andere es verstehen, lesen möchten und im besten Fall weitererzählen.
Dafür brauchst du eine klare Zielgruppe. Du solltest wissen, für wen du schreibst und wie du diese Menschen am besten ansprichst.
Außerdem braucht ein Sachbuch laut Svenja einen gewissen Unterhaltungswert. Das heißt nicht, dass es oberflächlich wird. Aber es sollte gerne gelesen werden. Menschen sollen dranbleiben, sich erinnern und das Buch im besten Fall weiterempfehlen.
„Das muss ja mein Ziel sein, dass die Leute sagen: Das war so toll, das habe ich durchgesuchtet.“
Wichtig sind deshalb auch Emotionen, persönliche Geschichten und Beispiele. Denn Menschen merken sich Inhalte besser, wenn sie mit Emotionen verbunden sind.
Wie gewöhne ich mir die akademische Schreibe ab?
Svenjas wichtigste Empfehlung: Lass die akademischen Vorgaben zunächst bewusst hinter dir.
Beim Sachbuch geht es darum, erzählerischer zu werden. Eine hilfreiche Übung ist, dir vorzustellen, du würdest dein Thema jemandem erklären, der oder die nicht aus deinem Fach kommt. Svenja nennt als Beispiel eine Zwölfjährige. Du erklärst dein Thema also so, dass eine Person ohne Fachwissen es verstehen kann.
Eine praktische Übung ist die Diktierfunktion: Sprich einen Sachverhalt erst einmal frei ein, so wie du ihn im Gespräch erklären würdest. Dadurch kommst du schneller in deine eigene Stimme und weg von der wissenschaftlichen Satzstruktur.
Auch Szenen und Dialoge können helfen. Statt nur abstrakt zu beschreiben, kannst du konkrete Situationen erzählen: Was ist passiert? Wer hat was gesagt? Welche Frage stand im Raum? Solche erzählerischen Elemente machen ein Sachbuch lebendiger.
Svenja empfiehlt außerdem, sich Erzähltechniken aus der Belletristik anzuschauen, zum Beispiel die Heldenreise. Diese kann auch im Sachbuch helfen, um Entwicklungen, Hürden und Erkenntnisse greifbarer zu machen.
Wie läuft das mit Quellen und Zitaten im Sachbuch?
Quellen solltest du auch im Sachbuch angeben. Es ist nur weniger formalisiert als in einer Dissertation.
Ein Sachbuch enthält normalerweise keine halbe Seite Fußnoten, weil das den Lesefluss stört. Stattdessen gibt es andere Möglichkeiten. Svenja nennt als Beispiel Quellenverweise mit Nummern im Text, die hinten im Quellenverzeichnis aufgelöst werden. So können interessierte Leser*innen nachschauen, ohne dass der Text selbst überladen wird.
Wichtig bleibt: Quellen gehören dazu. Wie du es aus der wissenschaftlichen Arbeit gewöhnt bist, solltest du auch beim Sachbuch sauber bleiben und klar machen, woher Gedanken, Studien oder Zitate stammen.
Wie gehe ich mit Perfektionismus um?
Svenja empfiehlt, zunächst bewusst eine Rohfassung zu schreiben und den Perfektionismus erst später wieder hereinzuholen.
Die erste Version muss nicht perfekt sein. Sie muss nur existieren. Gerade Menschen aus der Wissenschaft hätten oft das Gefühl, alles müsse sofort ausgereift sein. Das blockiere den Schreibprozess häufig.
Perfektionismus blockiert den Schreibprozess.
Auch Strukturen seien nie von Anfang an perfekt. Vieles entwickle sich erst im Schreiben selbst. Deshalb sei es wichtig, mit einer offenen Haltung in den Prozess zu gehen und sich zu erlauben, den Text später noch einmal zu überarbeiten.
Wann ist der beste Zeitpunkt für ein Sachbuch?
Das hängt laut Svenja stark von der eigenen Situation ab.
Manche Menschen haben während der Promotion genug Energie, parallel an einem Sachbuch zu arbeiten. Andere brauchen erst Abstand zur Dissertation.
Svenja betont aber auch: Wenn jemand mit dem Gedanken spielt, die Dissertation abzubrechen, könne es sinnvoll sein, das vorhandene Wissen trotzdem in irgendeiner Form zu veröffentlichen, statt alles in der Schublade verschwinden zu lassen.
Im Gespräch wurde außerdem deutlich, dass das „Übersetzen“ wissenschaftlicher Inhalte in eine verständliche Sprache oft schwieriger ist, als man zunächst denkt. Gleichzeitig kann genau dieser Perspektivwechsel dabei helfen, das eigene Thema noch einmal anders zu durchdringen.


Wie lange dauert es, ein Sachbuch zu schreiben?
Svenja empfiehlt ein fokussiertes Schreiben mit etwa vier bis sechs Stunden pro Woche.
Wenn bereits Expertise im Thema vorhanden ist, könne man mit einer guten Struktur und regelmäßiger Arbeit innerhalb von sechs bis neun Monaten eine Rohfassung schreiben, überarbeiten und veröffentlichen.
Wichtig sei dabei, sich nicht jahrelang im Schreibprozess zu verlieren, sondern von Anfang an die Veröffentlichung mitzudenken.
Welche Vorteile hat ein Sachbuch beruflich?
Ein Sachbuch kann dabei helfen, dich als Expertin sichtbar zu machen.
Das gilt sowohl innerhalb der Wissenschaft als auch außerhalb. Wer ein Buch veröffentlicht, wird oft stärker mit einem bestimmten Thema verbunden, kann leichter in Medien sichtbar werden oder für Vorträge, Podcasts oder Konferenzen angefragt werden.
Gerade in beruflichen Kontexten könne ein Sachbuch außerdem dabei helfen, sich für höhere Positionen zu qualifizieren oder sich klarer zu positionieren.
Für Selbstständige sei ein Buch zusätzlich ein strategisches Marketinginstrument, das langfristig Vertrauen aufbauen könne.
Verlag oder Selfpublishing – was ist besser?
Laut Svenja haben beide Wege Vor- und Nachteile.
Viele Menschen verbinden mit einem Verlag noch immer Prestige oder hoffen, dass der Verlag das gesamte Marketing übernimmt. Das sei heute allerdings meist nicht mehr der Fall. Auch bei Verlagsbüchern müssten Autor*innen selbst sichtbar werden und aktiv Marketing machen.
Selfpublishing dagegen bietet oft mehr Freiheit, sowohl inhaltlich als auch zeitlich. Wer selbst veröffentlicht, kann schneller entscheiden, wann das Buch erscheint und wie es gestaltet wird.
Die entscheidende Frage sei deshalb weniger „Was ist besser?“ sondern eher: Was ist dir persönlich wichtig?
Wie erhöht man die Chancen bei einem Verlag?
Die Bewerbung läuft in der Regel über ein Exposé. Wichtig sei, sich genau an die Vorgaben der jeweiligen Verlage zu halten. Außerdem müsse klar werden, warum das Thema relevant ist und warum gerade du die richtige Person dafür bist.
Svenja empfiehlt außerdem, sich ähnliche Bücher anzuschauen und zu analysieren, welche Themen bereits erfolgreich waren und warum.
Sollte ich mich direkt bei Verlagen oder über eine Agentur bewerben?
Beides ist möglich. Literaturagenturen können hilfreich sein, weil sie Kontakte zu Verlagen haben und bei Vertragsverhandlungen unterstützen. Dafür verlängert sich der Prozess meist etwas. Direktbewerbungen bei Verlagen funktionieren aber ebenfalls.
Kann man mit einem Sachbuch Geld verdienen?
Nur über die Buchverkäufe allein sei das oft schwieriger, als viele denken. Bei Verlagsbüchern erhalten Autor*innen meist nur einen kleinen Prozentsatz des Verkaufspreises. Im Selfpublishing ist der Anteil oft höher.
Der größere finanzielle Hebel liegt laut Svenja häufig indirekt im Buch: durch Vorträge, Sichtbarkeit, Medienanfragen, neue Kund*innen oder berufliche Chancen.
Wie wird ein Buch zum Bestseller?
Ein echtes Rezept gebe es nicht, sagt Svenja. Entscheidend sei aber frühe Marketingarbeit. Wer schon während des Schreibprozesses sichtbar wird und über das Buch spricht, könne Aufmerksamkeit aufbauen, bevor das Buch überhaupt erscheint.
Außerdem sei eine klare Positionierung wichtig. Bücher mit einem sehr allgemeinen Thema hätten es oft schwerer, sich gegen die Konkurrenz durchzusetzen.


Warum richtet sich Svenjas Gruppenprogramm nur an Frauen?
Svenja sagt, ihre persönliche Mission sei es, mehr Frauen mit ihrem Wissen sichtbar zu machen.
Sie sieht noch immer eine deutliche Schieflage, sowohl in der Literaturwissenschaft als auch allgemein im Sachbuchbereich. Deshalb möchte sie gezielt Frauen unterstützen, ihre Expertise öffentlich zu zeigen und sich eine Bühne zu schaffen.
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Warum spielt die Frankfurter Buchmesse eine so große Rolle?
Die Frankfurter Buchmesse ist laut Svenja vor allem ein großer Sichtbarkeits- und Marketingmoment.
Dabei gehe es nicht unbedingt darum, möglichst viele Bücher direkt vor Ort zu verkaufen. Viel wichtiger sei die Außenwirkung: sagen zu können, dass das eigene Buch auf der Frankfurter Buchmesse vorgestellt wurde.
Außerdem beschreiben viele ihrer Autorinnen die Messe als den Moment, in dem sie sich zum ersten Mal wirklich als Autorin fühlen.
Fazit
Das Gespräch mit Svenja Hirsch zeigt: Zwischen Dissertation und Sachbuch liegt weit mehr als nur ein anderer Schreibstil.
Wer aus wissenschaftlicher Forschung ein Sachbuch machen möchte, muss lernen, komplexe Inhalte verständlich, lebendig und relevant aufzubereiten. Gleichzeitig bietet genau dieser Prozess auch Chancen: mehr Sichtbarkeit, eine klarere Positionierung und die Möglichkeit, das eigene Wissen außerhalb der Wissenschaft zugänglich zu machen.
Und selbst wenn du am Ende kein Sachbuch schreiben möchtest, steckt in vielen der Gedanken aus diesem Gespräch auch etwas, das direkt für deine Dissertation hilfreich sein kann, zum Beispiel der Umgang mit Perfektionismus, das Schreiben einer Rohfassung oder die Frage, wie man komplexe Inhalte klar erklärt.
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Jahrelang habe ich selbst nach einem Weg gesucht, glücklich und zufrieden zu promovieren. Ich musste meine eigene Dissertation sogar 2x schreiben, bis ich ihn gefunden habe. Im zweiten Anlauf war ich nicht nur nach 9 Monaten fertig, sondern hatte die beste Work-Life-Diss-Balance meiner gesamten Promotionszeit. Die Krönung meiner Promotionsreise war schließlich die Bestnote für meine Disputation.
Heute unterstütze ich Doktorandinnen wie dich durch Coachings, Kurse und meinen Podcast "Glücklich promovieren". Ich glaube fest daran, dass alle Superkräfte, die du für eine glückliche Promotion brauchst, bereits in dir schlummern. Lass sie uns gemeinsam wecken!






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