Aktualisiert am 12. May 2026

7 Fragen von Promovierenden

Meine ehrlichen Antworten

Podcast GLÜCKLICH PROMOVIEREN: Episode #200

Podcast Dissertation
Deine Fragen - meine ehrlichen Antworten

Der Podcast feiert 200. Episoden-Jubiläum …

… und ich beantworte Fragen von Hörerinnen.

Es geht um so unterschiedliche Themen wie: wann ist die Diss abgabefertig, wie entwickle ich Selbstvertrauen in die eigene Expertise, aber auch wie nutze ich KI fürs wissenschaftliche Arbeiten und wie integriere ich Mental Health in meine Zeitplanung.

Freue dich auf einen bunten Blumenstrauß aus Fragen und auf jede Menge konkrete Impulse für deinen Promotionsalltag.

1. Woher weiß ich, wann meine Promotion wirklich abgabefertig ist? – Wann ist fertig wirklich fertig? Wer entscheidet das?

Ein wichtiges Kriterium ist natürlich, dass deine Betreuung der Abgabe zustimmt. Wie viel davor gelesen wird, ist allerdings extrem unterschiedlich. Manche möchten die komplette Dissertation noch einmal sehen, andere gar nichts. An manchen Universitäten brauchst du außerdem ein offizielles Freigabedokument, das unterschrieben werden muss, bevor du überhaupt einreichen darfst.

Wenn deine Betreuung wenig oder gar kein Feedback mehr gibt oder du einfach wissen möchtest, wann die letzte Version wirklich fertig ist, dann hilft es, klare Kriterien festzulegen. Zum Beispiel: Alle wichtigen Anmerkungen sind eingearbeitet, es gibt keine Platzhalter mehr, alle Quellen sind vorhanden, die Arbeit hat einen roten Faden und alle formalen Vorgaben deiner Uni sind erfüllt.

Gerade die formalen Dinge solltest du unbedingt frühzeitig checken: in der Promotionsordnung, beim Prüfungsamt oder im Promotionsbüro.

Wenn du dir für diese letzte Phase Begleitung wünschst, kann auch mein Endspurt-Coaching passend sein. Dort geht es genau darum, die letzten Schritte bis zur Abgabe realistisch, strukturiert und nervenschonend anzugehen.

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2. Wie gewinnt man Selbstvertrauen in die eigenen Kompetenzen und das Gefühl eine Expert*in/Forscher*in zu sein?

Viele Promovierende fühlen sich nicht so kompetent, wie sie von außen wirken. Deshalb ist es wichtig, bewusst wahrzunehmen, was du bereits kannst.

Hilfreich kann zum Beispiel ein Erfolgsjournal sein. Dort sammelst du positives Feedback, aber auch eigene Erfolge:

  • spannende Erkenntnisse,
  • Durchbrüche,
  • gutes Feedback auf Vorträge,
  • positive Rückmeldungen zu Texten.

Außerdem lohnt sich ein Blick zurück: Wo standest du vor einem oder zwei Jahren? Was konntest du damals noch nicht? Wie viel Wissen hast du inzwischen aufgebaut?

Wir vergleichen uns oft mit Menschen, die weiter sind als wir.

Sinnvoller ist jedoch häufig der Vergleich mit der früheren Version von uns selbst.

Ein guter Schnelltest: Könntest du spontan 5 Minuten über dein Thema sprechen? 10 Minuten? 30 Minuten? Die meisten Promovierenden merken dabei ziemlich schnell, wie viel sie eigentlich schon wissen.

Und ganz wichtig:

Du musst nicht alles wissen, um Expertin oder Experte zu sein.

Manchmal steckt hinter Unsicherheit übrigens auch etwas anderes, zum Beispiel das Gefühl, nicht dazuzugehören. Gerade wenn du die erste Person in deiner Familie bist, die studiert oder promoviert, kann der Austausch mit anderen helfen, die ähnliche Erfahrungen machen, zum Beispiel bei Initiativen wie ArbeiterKind.de. Katja Urbatsch, die Gründerin von Arbeiterkind.de, war auch schon hier im Podcast zu Gast. Dort spricht sie darüber, vor welchen besonderen Herausforderungen Promovierende aus nicht-akademischen Elternhäusern stehen und wie die Promotion dennoch gelingt.

Selbstbewusste Wissenschaftlerin

3. Wie lassen sich trotz zyklus- und mental health-bedingten Schwankungen feste, verlässliche Arbeitsstrukturen etablieren?

Hier hilft oft eine weniger starre Planung. Wenn dein Zyklus dich stark beeinflusst, kann es sinnvoll sein, deine Zeitplanung daran anzupassen. Je mehr Flexibilität du im Arbeitsalltag hast, um so mehr kannst du deinen Zeitplan um den Zyklus herum stricken. Ich hatte einmal eine Coachee, die an besonders schwierigen Tagen bewusst gar keine Arbeit eingeplant hat.

Bei mental health-bedingten Schwankungen ist Vorhersehbarkeit oft schwieriger. Deshalb sind Puffer besonders wichtig. Plane lieber etwas vorsichtiger und gib dir Raum für schlechtere Phasen.

Wenn du tiefer einsteigen möchtest, habe ich zum Thema Pufferzeiten eine Podcast-Episode aufgenommen: Wie du Pufferzeiten für die Dissertation richtig planst. Darin zeige ich dir, wie du Puffer nicht nur irgendwie „draufschlägst“, sondern sinnvoll in deinen Zeitplan einbaust.

Außerdem kann ein semi-flexibler Zeitplan helfen: Kernarbeitszeiten statt komplett starrer Tage, Zeitbudgets auf Monatsbasis statt nur auf Wochen-/Tagesbasis und das Vorarbeiten in Phasen, in denen es gut läuft und du dich leistungsfähig fühlst ( ohne dabei über deine eigenen Grenzen zu gehen).

Und gaaaanz wichtig:

Selbstfürsorge ist kein Luxus.

Gerade wenn du mental stark belastet bist, solltest du präventive Auszeiten einplanen: egal ob einmal pro Woche oder einmal pro Monat.

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4. Was tun, wenn man mitten im Prozess merkt, dass die Fragestellung nicht passt?

Das kommt häufiger vor, als viele denken. Grundsätzlich gibt es zwei Möglichkeiten, wie du damit umgehen kannst: a) Du kannst die Fragestellung anpassen oder b) du kannst die Arbeit selbst verändern, also Inhalt, Theorie oder methodischen Ansatz.

In den meisten Fällen ist es sinnvoller, die Forschungsfrage anzupassen. Gerade in geisteswissenschaftlichen Arbeiten wird sie häufig im Laufe des Prozesses sowieso noch einmal geschärft oder fokussierter formuliert. Bei meiner eigenen Dissertation hatte die schlussendliche Fragestellung nicht mehr viel mit der zu tun, die ich zu Beginn hatte. Und das nur, weil mein Thema sich weiterentwickelt hat, nicht weil ich es gewechselt hätte.

Die Fragestellung nachzuschärfen, bedeutet normalerweise nicht, dass du komplett neu anfangen musst. Im Gegenteil:

Oft geht es eher darum, die Frage besser an das anzupassen, woran du ohnehin schon geforscht hast.

Deine nicht mehr passende Forschungsfrage treibt dich gerade um? In der Episode Dein Promotionsgarten: Themeneingrenzung für Fortgeschrittene erzähle ich meine eigene Geschichte und zeige, warum es manchmal sogar ein sehr gutes Zeichen ist, wenn du deine Fragestellung am Ende noch einmal kleiner und präziser machst.

5. Welche KIs machen Sinn für wissenschaftliches Arbeiten?

Die wichtigste Frage dabei lautet: Wobei wünschst du dir Unterstützung?

KI kann an ganz unterschiedlichen Stellen hilfreich sein: beim Transkribieren, bei der Literaturrecherche, beim Strukturieren, beim Brainstorming oder als Forschungsassistenz.

Zur KI-gestützten Literaturrecherche gibt es auf meinem Blog einen Gastartikel von Heike Baller: KI-gestützte Literaturrecherche beim Promovieren. Der Artikel ist zwar von 2023, enthält aber weiterhin spannende Grundlagen und nennt auch Tools, die schon vor dem großen KI-Hype existiert haben.

Außerdem bieten inzwischen viele Universitäten und Bibliotheken Workshops zum Thema KI im Forschungsprozess an. Das ist nicht nur hilfreich, um Tools kennenzulernen, sondern auch, um rechtliche und ethische Grenzen besser einschätzen zu können. Schau deshalb unbedingt auch ins Workshopprogramm deiner eigenen Universität oder Universitätsbibliothek.

Literaturrecherche mit KI beim wissenschaftlichen Arbeiten

6. Wenn ich in einem Loch stecke, und keine Energie, Wasser bis zum Hals habe, wie finde ich etwas, das ich tun kann, und das mich weiterbringt?

Meine erste Gegenfrage wäre: Musst du gerade wirklich produktiver werden – oder musst du erst mal schauen, dass es dir besser geht?

Wenn du völlig erschöpft bist, sollte die erste Priorität nicht die Dissertation sein, sondern du selbst.

Wichtig ist außerdem die Frage: Ist die Situation absehbar begrenzt oder wird sie vermutlich so bleiben?

Wenn klar ist, dass bald Entlastung kommt, hilft das oft schon mental. Wenn nicht, solltest du überlegen, wo du aktiv etwas verändern kannst:

  • Unterstützung holen,
  • Aufgaben delegieren,
  • Stunden reduzieren,
  • Verpflichtungen pausieren,
  • Beratungsangebote nutzen.

Gerade Beratungsangebote an Universitäten werden oft unterschätzt. Je nach Situation können Familienbüros, psychotherapeutische Beratungsstellen oder andere Anlaufstellen eine echte Unterstützung sein.

Und falls du trotzdem etwas für die Dissertation tun möchtest: Mach die Hürde möglichst klein. Das kann für den Anfang ein 25-Minuten-Pomodoro sein, oder sogar nur eine 15-minütige Arbeitsphase.

Gerade in solchen Phasen gilt mehr denn je: Bye bye Perfektionismus. 80 Prozent reichen oft vollkommen aus.

7. Warum ist es so normal, dass Profs sich überarbeiten bzw. nur noch arbeiten? Was kann man tun?

Die Arbeitskultur an Universitäten ist oft nicht gesund. Dauererreichbarkeit, Wochenendarbeit und permanenter Stress werden vielerorts als normal angesehen und gelten nicht selten sogar als Zeichen von Engagement.

Das Problem ist:

Diese Arbeitskultur verändert sich nur, wenn Menschen bewusst anfangen, anders zu arbeiten.

Natürlich haben Professor*innen extrem viele Aufgaben: Lehre, Forschung, Verwaltung, die Führung von Mitarbeitenden, Konferenzen und vieles mehr.

Aber die Lösung kann nicht sein, dauerhaft über die eigenen Grenzen zu gehen.

Deshalb halte ich eine Kombination aus Priorisierung und Pragmatismus für entscheidend:

  • Welche Aufgaben sind wirklich wichtig?
  • Welche Projekte möchte ich überhaupt machen?
  • Wo reichen 80 Prozent?
  • Und wo vielleicht sogar nur 50 oder weniger?
  • Was kann ich delegieren?

Perfektion sollte die Ausnahme sein und nicht der Standard.

Gerade je mehr Verantwortung du trägst, desto wichtiger wird es, bewusst zu entscheiden, wo du deine Energie investieren möchtest – und wo eben nicht.

Fazit

Die Fragen von den Hörerinnen des Podcast GLÜCKLICH PROMOVIEREN waren völlig unterschiedlich und genau das hat mir daran so gefallen. Denn Promotionsalltage sehen eben auch völlig unterschiedlich aus. Vielleicht hast du dich bei einer der Fragen direkt wiedererkannt. Vielleicht hat dich aber auch gerade die Antwort weitergebracht, bei der du zuerst dachtest: „Das betrifft mich eigentlich gar nicht.“

Und genau darum geht es beim glücklichen Promovieren: nicht darum, perfekt oder effizient zu sein, sondern einen Weg zu finden, der zu dir, deinen Umständen und einer Promotion passt.

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Wer steckt hinter der Promotionsheldin?

Hallo, ich bin Dr. Marlies Klamt!

Jahrelang habe ich selbst nach einem Weg gesucht, glücklich und zufrieden zu promovieren. Ich musste meine eigene Dissertation sogar 2x schreiben, bis ich ihn gefunden habe. Im zweiten Anlauf war ich nicht nur nach 9 Monaten fertig, sondern hatte die beste Work-Life-Diss-Balance meiner gesamten Promotionszeit. Die Krönung meiner Promotionsreise war schließlich die Bestnote für meine Disputation.

Heute unterstütze ich Doktorandinnen wie dich durch Coachings, Kurse und meinen Podcast "Glücklich promovieren". Ich glaube fest daran, dass alle Superkräfte, die du für eine glückliche Promotion brauchst, bereits in dir schlummern. Lass sie uns gemeinsam wecken!

Dr. Marlies Klamt