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Glücklich Promovieren

Episode #42

Was du für eine glückliche Promotion tun kannst

von Dr. Marlies Klamt | Glücklich Promovieren Staffel 1 Episode #42

In Episode 42 verrate ich dir die drei Bausteine für eine glückliche Promotion. Ich erkläre dir, wie du dein Promotionsmonster zähmst; was Eigenverantwortung mit einer glücklichen Promotion zu tun hat; und wie du mehr Freude am Promovieren hast dank Überwindung des „Ich muss das alles alleine schaffen“-Syndroms.

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Was du für eine glückliche Promotion tun kannst

Heute werde ich drei Dinge mit dir teilen, die DU tun kannst, um deine Promotion zu einer glücklichen zu machen. Und ja, die Betonung lag gerade auf dem Wörtchen „du“. Das bedeutet zwar, dass du ins Handeln kommen musst und es vielleicht auch mal anstrengend werden wird. Aber das heißt ebenso, dass du es in der Hand hast, aus deiner Promotion eine glückliche zu machen.

Und ja, ich weiß, dass die äußeren Umstände einem das manchmal richtig schwer machen. Und dass du natürlich nicht auf alle Komponenten deiner Promotion einen Einfluss hast. Aber umso wichtiger, dass wir heute den Fokus darauf lenken, worauf du Einfluss hast und was du selbst tun kannst, um glücklich zu promovieren.

1. Baustein: Kontrolliere das Monster

Behalte den Überblick

Um dein Promotionsmonster unter Kontrolle zu halten, ist es wichtig, den Überblick zu behalten. Das schaffst du unter anderem, indem du dir einen Plan machst. Und damit dem Kontrollverlust vorbeugst. Oft setzt ja das Gefühl, dass einem alles zu viel wird und über den Kopf wächst, genau dann ein, wenn man die Kontrolle verliert. Lass uns also dafür sorgen, dass du das Steuer in der Hand behältst.

In den allermeisten Fällen ist die Dissertation das erste Projekt in dieser Größenordnung. Also das erste Projekt, das du durchführst, dass mehrere Jahre lang geht. Am Anfang erscheint einem eine Zeitspanne von zwei, drei oder auch vier Jahren unglaublich lange. Wenn du schon weiter in deiner Promotion fortgeschritten bist, dann wirst du gemerkt haben, wie schnell ein halbes Jahr oder auch ein ganzes Jahr vergehen kann. Und so schrumpft der Zeitraum, der noch bleibt – weil dann deine Finanzierung abläuft oder einfach weil du irgendwann fertigwerden willst – immer mehr zusammen.

Dass es so lange dauert, eine Doktorarbeit fertigzustellen, führt dazu, dass man sich oft verzettelt und verheddert. Gerade bei Individualpromotionen ist diese Gefahr besonders groß. Deshalb ist es so wichtig, dass du ein Exposé hast und einen Arbeits- und Zeitplan.

Die Promotion als Expedition durch die Wildnis

Lass mich einmal eine kleine Metapher verwenden, um zu veranschaulichen, wieso Exposé und Zeitplan so wichtig sind. Lass uns die Promotion als Expedition durch die Wildnis vorstellen. Als eine Reise durch unbekanntes Gebiet, das zumindest auf vielen Teilen der Strecke noch recht wild und unwirtlich ist. Auf so eine Expedition sollte man sich besser gut vorbereiten, ich denke, da wirst du mir zustimmen. Du weißt, du wirst mehrere Jahre unterwegs sein, um dieses Gebiet zu durchqueren, das da auf deiner Landkarte noch als graues Niemandsland verzeichnet ist.

Das Exposé: dein Kompass

Was du auf jeden Fall mitnehmen solltest auf diese Reise, ist ein Kompass. Denn ohne den wirst du kaum dort ankommen, wo du dir vorgenommen hast anzukommen. In Bezug auf die Doktorarbeit ist das Exposé dein Kompass. Es zeigt dir, wo es inhaltlich hingehen soll. Immer wenn du ins Grübeln kommst, ob du gerade noch auf der richtigen Spur bist oder nicht, kannst du dein Exposé zur Hilfe nehmen. Natürlich ist das Exposé nicht in Stein gemeißelt und wenn deine Arbeit sich inhaltlich weiterentwickelt, kann es gut sein, dass das Exposé aus der Anfangszeit nicht mehr mit ganz mit deinem aktuellen Vorhaben übereinstimmt. Dann passt du es an. Du adjustierst also den Kompass etwas nach, damit du trotzdem noch bei deinem nun neuen Ziel ankommst, das wahrscheinlich nicht komplett woanders wie das alte Ziel liegen wird.

Dein Plan – damit die Ressourcen bis zum Ende reichen

Was du ebenso für deine Expedition Doktorarbeit brauchst, ist ein Plan. Denn ohne Plan wirst du dir deine Ressourcen nicht richtig einteilen können. Deine Ressourcen sind zum Beispiel die finanziellen Mittel, die dir zur für die Promotionszeit Verfügung stehen. Bei deiner Expedition durch die Wildnis willst du ja auch nicht, dass dir irgendwo auf halber Strecke das Essen ausgeht, sondern du willst, dass es reicht, bis du am Ziel angekommen bist. Dafür ist also der Plan da.

Mit einem Blick auf deinen Zeitplan kannst du feststellen, ob du rechtzeitig dort bist, wo du auf dem Weg zum Ziel sein solltest. Vielleicht brauchst du für eine Teilstrecke länger als gedacht, weil sie anstrengender und schwieriger war als du vermutet hattest. Dann kannst du die Zeit bei der nächsten Teilstrecke einsparen. Oder aber du beschließt, erst später anzukommen. Dann musst du aber deine Ressourcen entsprechend neu verteilen und zum Beispiel eine neue Finanzierungsquelle auftun für diese Zeit. Oder aber jetzt schon Geld zurücklegen, um sie zu überbrücken.

Podcast-Empfehlungen

Falls du noch kein Exposé hast, empfehle ich dir, dir Episode 3 „5 Schritte zum Exposé“ anzuhören. Und falls du noch keinen Arbeits- und Zeitplan hast oder deinen noch einmal grundlegend überarbeiten willst, dann kann ich dir nur wärmstens ans Herz legen, dir die umfangreiche und kostenlose Schritt-für-Schritt-Anleitung für den Arbeits- und Zeitplan zu holen. In Episode 15 spreche ich außerdem darüber, wie man einen Arbeits- und Zeitplan erstellt, aber ich rate dir wirklich, dir die Anleitung anzuschauen, weil du in der zum Beispiel auch Mustervorlagen findest.

2. Baustein: Übernimm Verantwortung

Der zweite Baustein für eine glückliche Promotion ist, Verantwortung zu übernehmen. Und zwar für so viele Aspekte deines Lebens bzw. deiner Promotion wie möglich. Wenn dir jetzt direkt ein „Ja, aber“ auf der Zunge liegt, mit dem du mir erklären willst, wofür du alles nicht verantwortlich bist bzw. worauf du überhaupt keinen Einfluss hast – dann bitte ich dich, dieses „Ja, aber“ erst einmal herunterzuschlucken und stattdessen nach Gründen zu suchen, wieso du doch eine Möglichkeit hast, die Situation oder Person, an die du gerade gedacht hast, zu beeinflussen.

Ich weiß natürlich auch, dass es Dinge gibt, die außerhalb deines Einflussbereichs liegen. Aber wir haben Einfluss auf mehr, als wir uns oft zugestehen wollen. Und häufig ist der Impuls, direkt die Verantwortung an jemand anderen oder die Umstände abzugeben, viel größer, als das Bedürfnis und das Verlangen, die komplette Verantwortung für uns zu übernehmen.

Und das ist fatal, denn es bedeutet, dass du die Gestaltungsmöglichkeiten, die du hast, ignorierst und nicht so weit ausnutzt und ausreizt, wie es ginge. Aber wir wollen hier ja deine Promotionszeit so gestalten, dass sie glücklich ist und da ist es einfach viel förderlicher, wenn du dich verantwortlich fühlst und entsprechend verhältst und dich nicht vorwiegend in der Opferrolle siehst.

Kümmere dich um deinen Körper und Geist

Eigenverantwortung zu übernehmen für dich und für deine Promotion bedeutet für mich auch, dass du dich um dich und deinen Körper kümmerst. Vor allem der Rücken und Nacken ist anfällig für Verspannungen, die leider auch mal in einem Bandscheibenvorfall enden können. Achte also auf deine Haltung am Schreibtisch und mache Sport und bewege dich! Zum Bereich Körper gehört für mich auch die Ernährung. Wenn du über einen langen Zeitraum nur Müll in dich hineinstopfst, kannst du nicht erwarten, dass dein Körper dir das mit Gesundheit und Energiegeladenheit dankt.

Eigenverantwortung bedeutet mich zudem, dich um deine mentalen Befindlichkeiten zu kümmern. Das heißt, dass du deine sozialen Kontakte nicht abbrichst und dass du Pausen machst, wenn du sie brauchst.

Und wie gesagt: Während der Promotion werden auch Probleme auftauchen, für die du nicht verantwortlich bist. Ich will nicht, dass du Verantwortung mit Schuld verwechselst und denkst, dass du an allem schuld bist, was an Schwierigkeiten auftaucht. Aber auch in den Situationen, in denen du dich vor Probleme gestellt siehst, die du nicht zu verantworten hast, hilft es dir mehr, dir zu überlegen, wie du mit der Situation umgehen kannst, was du aktiv tun kannst, als den Kopf in den Sand zu stecken und mimimi zu machen.

Leg den Fokus auf das, was du ändern kannst

Viel zu oft legen wir leider den Fokus auf das, was wir nicht ändern können und fühlen uns deshalb ohnmächtig. Ohne zu sehen, dass wir häufig – nicht immer – auch dann Einfluss nehmen können, wenn wir uns zum Beispiel in einer Warteposition fühlen. Ich will dir das an einem konkreten Beispiel verdeutlichen.

Nehmen wir an, du wartest auf die Rückmeldung von deiner Betreuerin oder deinem Betreuer zu einem Kapitel, was du geschickt hast. Und zwar schon eine ganze Weile. Du kannst jetzt darauf schimpfen, dass sie oder er nicht in die Pötte kommt und du deshalb nicht weitermachen kannst. Oder du kannst dir überlegen, wie du aktiv werden kannst und was es für Möglichkeiten gibt, mit der Situation umzugehen. Eventuell kannst du schon mal an einer anderen Stelle weitermachen. Oder du kannst nachfragen, bis wann du mit einer Rückmeldung rechnen kannst. Vielleicht möchtest du in Zukunft auch direkt bei der Abgabe einen Termin kommunizieren, bis zu dem du die Rückmeldung bräuchtest.

Das heißt: Du bist zwar nicht für jedes Problem verantwortlich, aber dafür, wie du mit dem Problem umgehst. Welche Konsequenzen du ziehst. Wie gut du dich und deine Bedürfnisse kennst und diese kommunizierst. Du bist dafür verantwortlich, dass du dir eine Pause gönnst, wenn du sie brauchst. Und dafür, dass du dir Hilfe holst, wenn du sie benötigst. Das ist auch schon eine wunderbare Überleitung zum dritten Baustein.

3. Baustein: Überwindung des „Ich muss das alles alleine schaffen“-Syndroms

Was ich immer wieder gerne sage, ist: Die Doktorarbeit musst du alleine schaffen. Die Promotion nicht. Soll heißen: Du musst deine Doktorarbeit zwar alleine schreiben, aber du musst nicht die gesamte Promotionszeit über jedes Problem, das potenziell auftaucht, alleine lösen. Ich weiß, dass es nicht einfach ist, andere um Hilfe zu bitten. Viel zu oft werten wir es als Zeichen von Schwäche – und zwar anderen gegenüber genauso wie uns selbst gegenüber. Aber sich Hilfe zu holen, um eine herausfordernde Situation schnell wieder in den Griff zu bekommen, zeugt nicht von Schwäche. Sondern im Gegenteil: Es zeugt von Selbstwirksamkeit und Intelligenz.

Oft trauen wir uns auch deshalb nicht, um Hilfe zu bitten, weil wir denken, dass wir die einzigen wären mit diesem Problem und alle andere ihre Dissertation und ihr Leben im Allgemeinen viel besser im Griff hätten. Ich kann dir versichern: Dem ist nicht so. Deshalb finde ich es wirklich wichtig, dass du dir immer wieder vor Augen führst, dass du nicht allein bist mit deinen Problemen. Es gibt sehr viele andere Promovendinnen da draußen, die mit genau den gleichen Problemen kämpfen wie du. Nutze diese Community, tausch dich aus, bau dir ein Netzwerk auf aus Gleichgesinnten und Personen, die schon weiter sind als du. Wenn du nicht weißt, wie du das anfangen sollst, dann höre dir Episode 29 an, da gebe ich dir jede Menge Tipps, wie du Netzwerken lernen kannst.

Sorge dafür, dass du Bescheid weißt, wo du dir Hilfe holen kannst, wenn du sie brauchst. Viele Unis bieten Mentoring-Programme an, die Möglichkeit Coaching in Anspruch zu nehmen oder zu finanzieren. Kenn die Anlaufstellen an deiner Uni, z.B. das Gleichstellungsbüro, psychosoziale Beratungsstellen oder fachübergreifende oder fachspezifische Zentren für Doktorandinnen und Doktoranden. Trau dich, auch deine Betreuerin oder deinen Betreuer anzusprechen, wenn du Probleme hast. Und last but not least, kannst du auch mit mir oder einem anderen Promotionscoach in einem 1:1-Gespräch an deinen ganz spezifischen Herausforderungen arbeiten.

Das wars

Das waren die drei Bausteine für eine glückliche Promotion, die ich noch einmal gerne für dich zusammenfasse: Kontrolliere das Promotionsmonster, indem du dank Exposé und Zeitplan den Überblick behältst; übernimm die volle Verantwortung für deine Promotion; und hole dir Hilfe, wenn du sie benötigst.

Die heutige Podcast-Episode beruht übrigens auf einem Teil eines Vortrags, den ich vor ein paar Monaten vor einer Gruppe von Promovendinnen und Promovenden gehalten habe. Ich habe meine Überlegungen von damals für dich angepasst und ziemlich ausgiebig ergänzt und hoffe, dass du genauso wie die Promovendinnen bei der Veranstaltung einige Tipps für dich mitnehmen kannst.

Wenn dir dieser Podcast gefällt, dann bewerte ihn doch bitte mit 5 Sternen und empfehle ihn an alle weiter, denen er ebenso gefallen und weiterhelfen könnte.

Die Podcast-Episoden, die ich dir heute empfohlen habe, findest du wie immer auch in den Shownotes verlinkt.

Vielen Dank fürs Zuhören und vielen Dank, dass du mir deine Zeit geschenkt hast!

Wir hören uns dann wieder nächste Woche, bis dahin – glückliches Promovieren dank Überblick, Eigenverantwortung und Hilfe von außen!

Deine Marlies

 

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