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Nebenberuflich promovieren

Interview mit Dr. Hajck Karapetjan

Nebenberuflich promovieren

Vollzeitjob außerhalb der Uni und Promotion – geht das?

Mit Dr. Hajck Karapetjan habe ich darüber gesprochen:

  • wie er es ohne Anschluss an die Uni geschafft hat, eine Betreuer*in zu finden;
  • inwiefern die Promotion für ihn auch ein größeres finanzielles Investment bedeutet hat;
  • wie es dazu kam, dass er teilweise mitten in der Nacht Interviews für die Doktorarbeit geführt hat;
  • wie viele Stunden pro Woche er neben seinem Vollzeitjob für die Diss aufgewendet hat.

 

Prägnante Ausschnitte aus dem Interview

 

Wie lange dauert eine nebenberufliche Promotion?

„Eine berufsbegleitende Promotion ist höchst individuell. Bei mir war es relativ schnell, vier Jahre ist wirklich sportlich.“

Wie hast du dir deine Zeit eingeteilt?

„In einer Stunde kann man schon was machen.“

„Ich hab in der Regel immer von Montag bis Freitag drei Abende etwa so eineinhalb Stunden bis zwei Stunden noch zusätzlich an der Doktorarbeit verbracht, hab aber hauptsächlich die Doktorarbeit an den Wochenenden gemacht, Samstag, Sonntag. Ich hab mir da Sechststundenblöcke (natürlich nicht jedes Wochenende) geblockt gehabt, wo ich dann wirklich qualitativ hochkonzentriert arbeiten kann. Ich denke, die größte Schwierigkeit ist eben von Montag bis Freitag mit der Belastung bei der Arbeit hat man dann auch nicht die kognitive Energie, um da qualitativ hundertprozentige Arbeit machen zu können. Aber nichtsdestotrotz gibt’s ja bei einer Promotion auch viele organisatorische Themen, Literaturrecherche usw., die man sehr gut auch in die Arbeitswoche reinpacken kann.“

„Ich bin vier Uhr früh auf die Arbeit gefahren, hab von vier bis sieben Uhr Beobachtungen und Interviews durchgeführt, dann von sieben bis achtzehn Uhr gearbeitet und dann von achtzehn bis einundzwanzig Uhr noch mal Experteninterviews durchgeführt. Das hab ich mal ein paar Tage so durchgezogen und da war ich aber auch dann physisch und geistig am Ende. […] Jetzt im Nachgang würde ich es etwas anders machen. Ich würde das tatsächlich etwas entschlacken und über einen größeren Zeitraum machen.“

„Was viele machen, ist […], das die das Ganze mit dem Arbeitgeber absprechen und sich da ein oder sogar zwei Tage die Woche rausverhandeln, wo sie dann eben Zeit bekommen für die Promotion.“

Eine Dissertation ist ein Marathon, kein Sprint

„Einem ist nicht geholfen jetzt zwei Wochen Vollgas zu geben und dann einen Monat das liegen zu lassen sondern wirklich einfach kontinuierlich an der Doktorarbeit zu arbeiten. Ich kam wirklich sehr gut aus mit 10 bis 15 Stunden Gesamtarbeitsaufwand pro Woche über die drei Jahre. Das letzte Jahr ist sehr viel Warten.“

„Mein Tipp: Wenn es nur fünf Minuten sind oder wenn es nur ein Satz ist, den ich an diesem Tag schreibe: täglich schreiben. Ein Satz, das reicht schon. Und das kumuliert bringt schon einigen was, solange man auch gedanklich immer im Thema bleibt.“

„Wenn man sprintet, dann kann einem die Puste ausgehen und das ist auch die größte Gefahr bei einer Doktorarbeit, dass man sich vielleicht an gewissen Stellen auch mal übernimmt und das dann auch gefährlich sein kann.“

Der Spaß-Faktor

„Es hat im Nachgang auch wirklich Spaß gemacht. Es war neben dem beruflichen Alltag nochmal ne andern Komponente, wo ich auch mal über was anderes nachgedacht habe außer Arbeiten, das Private.“

Was am Schwersten war

„Der Anfang war wirklich nicht ohne. Auch die Unsicherheiten, wenn ich mich einschreibe… Die Ängste, vor allem die Ängste, wenn ich das erste Mal präsentiere. Wissenschaftlich präsentieren ist was ganz anderes wie jetzt im Berufsalltag, wenn ich präsentiere, wenn ich was verkaufen möchte. Da hab ich auch mehr als genug Lehrgeld bezahlt.“

Die Work-Life-Diss-Balance muss stimmen

„Am Ende ist entscheidend nicht nur die Promotion, nicht nur das Berufliche, nicht nur das Private, sondern eben die Balance aus allen dreien. Und die muss jeder für sich selber entscheiden und diese Balance wahren. Sobald man in eine Richtung abdriftet, leiden die anderen beiden. Und das sind die Punkte, wo ich auch jetzt mitbekomme, denn ich arbeite ehrenamtlich bei der Leadership-Kulturstiftung mit, warum Leute abbrechen. Eben weil diese Balance sich oft während der Promotion in eine Richtung verschiebt.“

Welche Türen die nebenberufliche Promotion öffnen kann

„Mittlerweile strebe ich eine Professur mittel- und langfristig an. Das wäre für mich vor der Promotion unvorstellbar gewesen. Auch Selbständigkeit ist ein Thema, da hilft der Doktortitel. Er öffnet dir andere Projekte, andere Möglichkeiten auch in Unternehmen Richtung strategisches Management. Es öffnet sich eine komplett neue Welt, die man davor vielleicht gar nicht gesehen hat.“

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Hallo, ich bin Dr. Marlies Klamt!

Jahrelang habe ich selbst nach einem Weg gesucht, glücklich und zufrieden zu promovieren. Ich musste meine eigene Dissertation sogar 2x schreiben, bis ich ihn gefunden habe. Im zweiten Anlauf war ich nicht nur nach 9 Monaten fertig, sondern hatte die beste Work-Life-Diss-Balance meiner gesamten Promotionsheit.

Heute unterstütze ich Doktorandinnen wie dich durch Coachings, Kurse und meinen Podcast "Glücklich promovieren". Ich glaube fest daran, dass alle Superkräfte, die du für eine glückliche Promotion brauchst, bereits in dir schlummern. Lass sie uns gemeinsam wecken!

Dr. Marlies Klamt