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Glücklich Promovieren

Episode #023

Wie grenze ich mein Promotionsthema ein?

von Dr. Marlies Klamt | Glücklich Promovieren Staffel 1 Episode #023

Hast du das Thema soweit eingegrenzt, dass es bearbeitbar wird? Und zwar im Rahmen der Zeit, die du dir vorgenommen hast?

In Episode 23 schauen wir uns an, wie du dein Thema so eingrenzt, dass es sich gut bearbeiten lässt und dein Promotionsmonster bezwingbar bleibt!

In dieser Episode empfohlene Podcast-Folge:

Episode 22: Wie finde ich ein Promotionsthema?

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Wie grenze ich mein Promotionsthema ein?

Letzte Woche haben wir uns angeschaut, wie du ein Thema für deine Doktorarbeit findest. Heute möchte ich mit dir über den Schritt sprechen, der danach kommt. Dieser ist nämlich maßgeblich dafür, dass dein Promotionsmonster kontrollierbar bleibt und dir die Promotion nicht direkt zu Beginn über den Kopf wächst. Dieser Schritt ist die Eingrenzung deines Themas.

Wenn du bereits ein Thema für deine Dissertation hast: herzlichen Glückwunsch! Aber hast du genauso viel Energie in die Eingrenzung des Themas investiert, wie in die Themenauswahl allgemein? Hast du das Thema soweit eingegrenzt, dass es bearbeitbar wird? Und zwar im Rahmen der Zeit, die du dir vorgenommen hast?

Mit einem zu breiten Thema wirst du dich selbst immer wieder unglücklich machen. Denke auch an die Anforderungen an eine Promotion, die wir letzte Woche in Episode 22 besprochen haben. Dein Promotionsthema muss zwar einen Erkenntnisfortschritt erbringen, aber das bedeutet nicht, dass du das Rad komplett neu erfinden musst.

Ein Erkenntnisfortschritt kann es auch bereits sein, eine Methode erstmalig für ein Feld anzuwenden oder eine Theorie als Erklärung für ein Phänomen heranzuziehen, die bisher noch nicht damit in Verbindung gebracht worden ist.

Stecke dir also deine Ziele realistisch und dazu gehört auch, das Thema so zuzuspitzen, dass du es innerhalb der vorgegebenen Zeit bearbeiten kannst.

Tipps Themeneingrenzung

Hier sind meine Tipps zur Themeneingrenzung:

Entwickle eine glasklare Fragestellung

Deine Forschungsfrage könnte zum Beispiel eine Wie-Frage sein, also etwa „Wie funktioniert Sachverhalt xy?“. Oder es könnte auch eine vergleichende Frage sein. Etwa: „Wie unterscheidet sich die Kommunikation in sozialen Medien von der Kommunikation per E-Mail?“ Diese Frage beantwortest du dann durch deine Forschung.

Vergiss nicht, dass sich in deiner Forschungsfrage bereits die Relevanz deines Themas ausdrücken sollte. Mit Relevanz ist dabei nicht gemeint, dass deine Forschung Weltverbesserungspotenzial haben muss. Es reicht, wenn du eine Forschungslücke schließt. Oder neue Perspektiven eröffnest und den Blick auf Aspekte eines Phänomens lenkst, die bisher unbeachtet geblieben sind.

Wenn dein Thema darüber hinaus noch eine gesellschafspolitische Relevanz aufweist oder aus anderen Gründen für die Gesellschaft relevant ist: umso schöner!

Stelle ggf. Hypothesen auf

In manchen Fachbereichen ist es üblich, Hypothesen aufzustellen. Deine Hypothesen sind Annahmen in Bezug auf die Forschungsfrage. Sie sind also im Prinzip die Antworten, die du auf deine Forschungsfrage erwartest. Gehen wir noch mal zurück zu unserer Beispielsforschungsfrage, wie sich Kommunikation in sozialen Medien von der Kommunikation per E-Mail unterscheidet.

Hier könnte beispielsweise deine erste Hypothese sein, dass du davon ausgehst, dass Antworten in sozialen Medien schneller passieren als per E-Mail. Die zweite Hypothese könnte sein, dass die Antworten im Stil informaler sind. Usw.

Deine Hypothesen denkst du dir nicht einfach aus, sondern beziehst die Ergebnisse vorhandener Literatur mit ein und eventuell von eigenen Beobachtungen oder Vorstudien. Ob deine Untersuchungsergebnisse schlussendlich darauf verweisen, dass die Hypothese richtig ist oder ob du sie verwerfen musst, ist erst einmal nebensächlich. Denn du forschst ja ergebnisoffen und nicht, um ein bestimmtes Ergebnis zu produzieren.

Falls du unsicher bist, ob in deinem Fach mit Hypothesen gearbeitet wird, schau einfach in einige bereits existierende Dissertationen, wie das dort gelöst ist. Eventuell siehst du dabei auch die Variante, statt Hypothesen aufzustellen, die Forschungsfrage noch einmal in mehrere bzw. genauere Fragen zu untergliedern.

Am besten ist es natürlich, wenn du Zugriff auf Doktorarbeiten hast, die bei deiner Betreuerin bzw. deinem Betreuer geschrieben wurden, denn das ist die Person, die deine Arbeit am Ende benoten wird. Und deshalb auf jeden Fall damit einverstanden sein sollte, wie du es machst.

Mach den Realitätscheck

Wenn du deine Forschungsfrage formuliert hast, dann schau sie bitte noch einmal gründlich an und frage dich, ob sie wirklich im üblichen Zeitraum für Promotionen realistisch zu bearbeiten ist. Meist ist die Fragestellung am Anfang noch viel zu breit formuliert. Viel seltener ist es der Fall, dass sie einen zu kleinen Bereich abdeckt und quasi nicht für eine Promotion „ausreicht“.

Sobald du eine eindeutige Formulierung gefunden hast, sprich bitte auch unbedingt mit deiner Betreuung, um abzuklären, dass die Fragestellung so relevant, präzise und nicht zu breit ist.

Passt deine Methodik zur Fragestellung? Und zu dir?

Zwei Fragen, die du dir ebenso stellen musst, sind erstens, ob deine Methodik zur Fragestellung passt. Und zweitens, ob du mit deinen Fachkenntnissen und in dem Fach, in dem du promovieren wirst, diese beantworten kannst. Es bringt dir nichts, eine hochinteressante politikwissenschaftliche Frage zu stellen, wenn du Kunstwissenschaftlerin bist.

Genauso wenig bringt es dich weiter, eine Frage zu formulieren, die man mit einer Methode bearbeiten muss, mit der du dich nicht auskennst. Mal abgesehen von der erheblichen Zeit, die du zusätzlich einrechnen müsstest, ist es zwar schon prinzipiell möglich, dich in eine neue Methode einzuarbeiten. Das bringt dir allerdings nichts, wenn die Methode in deinem Fach nicht akzeptiert wird und deine Doktormutter oder dein Doktorvater sie ablehnt.

Wenn du empirisch arbeiten willst bzw. das müsstest, um die Fragestellung angemessen beantworten zu können, dann ist damit auf jeden Fall mehr Aufwand verbunden, weil du selbst Daten erheben musst. Umso wichtiger, hier einen Fokus zu haben.

Das ist übrigens was, was du dir gerne auf einem Zettel über den Schreibtisch hängen kannst. Fokus, Fokus, Fokus. Wenn du diesen schaffst beizubehalten, bei der Eingrenzung deines Promotionsthemas und darüber hinaus, bist du schon einmal einen guten Schritt weitergekommen auf dem Weg zu einer glücklichen Promotion.

Kann ich mein Thema allein bearbeiten?

Überlege dir zudem, ob dein Promotionsthema ein Projekt ist, das du gut allein bewältigen kannst. Gerade bei größeren empirischen Projekten ist es üblich, dass mehrere Personen zusammenarbeiten. Bei einer Individualpromotion hast du aber nur deine Arbeitskraft. Deshalb solltest du besonders darauf achten, dass du dein Promotionsthema so eingrenzt, dass du es alleine bearbeiten kannst, ohne in Zeitnöte zu kommen.

Ein Beispiel für dich

Und weil ich weiß, dass du dich immer über Beispiele freust, die es noch einmal greifbarer machen, schauen wir uns das Ganze noch einmal an einem Beispiel an.

Nehmen wir an, du hast Pädagogik studiert und interessierst dich besonders dafür, wie Grundschulkinder in der Schule lernen. Bei mehreren Praktika an verschiedenen Schulen hast du festgestellt, dass es große Unterschiede gibt sowohl was die einzelnen Schüler und Schülerinnen angeht als auch in Bezug auf die Fächer. Das ist dann also dein Oberthema: Lernunterschiede bei Grundschulkindern.

Das ist aber noch kein eingegrenztes Thema, mit dem du losforschen kannst. Überlegen wir uns also, welche Teilaspekte besonders interessant und vielversprechend sind und welche sich für eine Promotion eignen. Hier kannst du sowohl auf deine eigenen Beobachtungen zurückgreifen als auch nachlesen, welche Forschung es in diesem Bereich bereits gibt. Zum einen, weil du natürlich kein Thema bearbeiten willst, für das es schon zahlreiche Studien gibt und zum anderen, weil dir die Literatur Hinweise gibt, in welche Richtung es sich lohnt weiterzuforschen.

Aber zurück zum Beispiel. Du machst erst einmal eine Liste mit allen Dingen, die dir während der Praktika aufgefallen sind in Bezug auf die Lernunterschiede. Vielleicht ist dir aufgefallen, dass bestimmte pädagogische Ansätze vielversprechender sind als andere. Oder gerade bei einer bestimmten Teilgruppe der Schüler und Schülerinnen besonders gut funktionieren, zum Beispiel bei den Jungs oder bei Schülern und Schülerinnen mit Migrationshintergrund. Oder dir ist aufgefallen, dass es besonders förderlich oder auch hinderlich war, wenn eine Klasse besonders heterogen zusammengesetzt ist. Eventuell hatten die Lernfortschritte auch mit der Klassengröße zu tun?

Überlege dir hier ruhig, welche Faktoren es alles gibt. Dann recherchiere, welche bereits erforscht wurden. Wenn du bei deiner Recherche feststellst, dass es zu vielen Themen, die du spannend findest, bereits zahlreiche Studien gibt, sei nicht enttäuscht. Je mehr du in ein Thema eingearbeitet sein wirst, umso tiefer kannst du gehen und deine eigene spannende Nische ausmachen.


Beispiel: Formulierung der Forschungsfrage

Jetzt formulierst du eine konkrete Forschungsfrage also zum Beispiel „Wie unterscheidet sich das Lernverhalten von Schülern und Schülerinnen an Grundschulen?“ Richtig? NEIN, BITTE NICHT!

Diese Frage ist noch sehr allgemein. Grenze sie also weiter ein. Zum Beispiel könntest du eine vergleichende Frage stellen: „Wie unterscheidet sich das Lernverhalten von Grundschulschülerinnen und -schülern an Schulen auf dem Land von Schulen in der Stadt?“ Du kannst hier auch noch beim Alter einschränken und z.B. nur Erst- oder Zweitklässler*innen anschauen.

Oder du zielst direkt auf aktuelle pädagogische Ansätze ab und deren Auswirkungen auf Leistung und Zufriedenheit: „Wie wirkt sich die Implementierung eines integrativen Ansatzes an Grundschulen im Bundesland xy auf das Leistungsniveau und die empfundene Zufriedenheit der Schüler*innen aus?“.

Du merkst schon, dass sich Fragen immer genauer stellen und immer weiterzuspitzen lassen. Hier kannst du ruhig ein wenig hin- und herprobieren, bis du ein gutes Gleichgewicht zwischen Zuspitzung und Breite gefunden hast. Wie gesagt, die Gefahr liegt meistens eher darin, in die Breite zu gehen also formuliere ruhig erst einmal spitzer als du das intuitiv gemacht hättest und bessere später nach.

Arbeits- und Lebensumstände miteinbeziehen

Wenn du dein Thema eingrenzt, denke auch daran, dass es einen Unterschied macht, unter welchen Bedingungen du promovierst.

Wenn du über ein Stipendium gefördert wirst und mehr oder weniger deine komplette Zeit investieren kannst, hast du ein großes Arbeitsvolumen zur Verfügung und kannst dich auch an etwas aufwändigere Forschungsfragen und -designs wagen. Wobei ich dir auch hier raten würde, bei deiner Fragestellung möglichst konkret zu sein und nicht zu breit zu werden.

Wenn du hingegen nebenberuflich promovierst und zusätzlich auch noch eine Familie hast, für die du sorgen musst – seien es deine eigenen Kinder oder deine Eltern – dann wirst du viel weniger Zeit für die Diss zur Verfügung haben. In diesem Fall ist ein eingegrenztes und gut bearbeitbares Promotionsthema umso wichtiger.

Deine Aufgabe für heute

Schau dir Dissertationen aus deinem Fachbereich an und notiere, wie dort die Fragestellung und Hypothesen formuliert worden sind. Schreibe dir ruhig Positivbeispiele auf und solche die du weniger gelungen findest. Notiere, weshalb du sie gut oder weniger gut findest. Wo ist deutlich zu erkennen, dass das Thema klar und zugespitzt formuliert ist und wo nicht? Woran erkennst du das? Wie kannst du es auf dein eigenes Forschungsvorhaben übertragen?

Nimm diese Aufzeichnungen nun als Grundlage dafür, dich an die Bearbeitung deiner eigenen Fragestellung zu machen. Dein Oberthema hast du ja bereits gefunden, auf dieser Basis kannst du nun dein Thema weiter eingrenzen.

Startklar?

Falls du noch gar kein Thema hast, höre dir unbedingt noch einmal Folge 22 an. Und komme bitte nicht auf die Idee, dass die Themensuche nur eine Woche dauert, weil nur eine Woche zwischen der Podcast-Episode zur Themenfindung und der zur Themeneingrenzung lag. Ein passendes, relevantes und bearbeitbares Thema zu finden, ist ein unglaublich wichtiger Baustein für deine Doktorarbeit. Nimm dir deshalb genügend Zeit dafür, sonst holt es dich immer wieder ein.

Ich hoffe, ich konnte dir vermitteln, wie wichtig es ist, eine klare Forschungsfrage zu entwickeln und dein Thema einzugrenzen.

Wenn du noch andere Promovendinnen kennst, die gerade dabei sind, ein Promotionsthema zu suchen und vielleicht noch Schwierigkeiten haben, dieses klar zu fassen, dann empfehle ihnen gerne diese und die letzte Episode weiter.

Ich wünsche dir viel Erfolg beim Eingrenzen deines Themas!

Wir hören uns wieder nächste Woche und bis dahin: freudiges Zuspitzen deines Promotionsthemas!
Deine Marlies

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