Glücklich Promovieren

Episode #022

Wie finde ich ein Promotionsthema?

von Dr. Marlies Klamt | Glücklich Promovieren Staffel 1 Episode #022

Ohne Thema keine Doktorarbeit!

Heute schauen wir uns an, wie du dein Promotionsthema finden kannst. Das erwartet dich in der Episode:

  • Anforderungen an Doktorarbeiten
  • Möglichkeit 1: auf bereits Bekanntem aufbauen
  • Möglichkeit 2: interessensgeleitete Themensuche
  • Möglichkeit 3: strategische Themensuche

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Wie finde ich ein Promotionsthema?

In der heutigen Episode geht es um etwas, dass jede Promovendin zu Beginn ihrer Promotion beschäftigt: Die Suche nach dem Thema für die Doktorarbeit. Ich werde dir einige Möglichkeiten vorstellen, wie du dein Promotionsthema finden kannst.

Wenn du dich auf eine Promotionsstelle beworben hast, bei der das Thema vorgegeben ist oder bei einem Graduiertenkolleg, dann musst du dich damit auf andere Art und Weise auseinandersetzen. Bei einem vorgegebenen Thema sparst du zwar Zeit. Auf der anderen Seite hast du aber auch weniger Flexibilität und kannst dich nicht unbedingt mit den Inhalten auseinandersetzen, die du selbst ausgewählt hast.

Aber auch dann liegt es an dir, die endgültige Forschungsfrage zu formulieren und gegebenenfalls – je nach Ansatz deiner Arbeit – Hypothesen aufzustellen, also das vorgegebene Thema in eine bearbeitbare Form zu bringen. Um diese Punkte, die zur Themeneingrenzung gehören, wird es dann in der Episode 23 nächste Woche gehen, deshalb an dieser Stelle nicht mehr dazu.

Ich werde mich heute auf die freie Themenauswahl konzentrieren, bei der du dir wirklich komplett selbst überlegen musst, welches Thema du bearbeiten möchtest. Auf kumulative Promotionen, also Promotionen, bei denen du nicht eine lange Arbeit anfertigst, sondern mehrere einzelne Paper, werde ich heute ebenfalls nicht eingehen.

Ein generelles Thema für die Dissertation zu finden, ist alles andere als einfach. Sollst du das Thema wählen, dass dir schon seit einiger Zeit im Kopf herumschwirrt? Eines, mit dem du dich schon auskennst? Eines, wo du dich in ein komplett neues Feld einarbeiten kannst?

Um diese Fragen beantworten zu können, ist es wichtig, einerseits deine Motivation zu promovieren zu kennen und andererseits zu wissen, welche Ziele du im Hinblick auf die Dissertation verfolgst. Sonst kann es zu Zielkonflikten kommen und das geht mit ziemlich unangenehmen Gefühlen einher. Falls du denkst, dass es bei dir konkurrierende Ziele im Hinblick auf die Promotion geben könnte, höre dir unbedingt Episode 21 von letzter Woche an, wo es genau um dieses Thema ging.

Anforderungen an Doktorarbeiten

Bevor wir dazu kommen, wie du dein Promotionsthema finden kannst, will ich erst noch darauf eingehen, welche Ansprüche ein Promotionsthema überhaupt erfüllen muss. Diese Anforderungen stehen in der Promotionsordnung deiner Universität bzw. des entsprechenden Fachbereichs. Wenn du bereits weißt, an welcher Universität du promovieren möchtest, dann schaue unbedingt die genaue Formulierung in der Promotionsordnung an. Die Promotionsordnung findest du im Normalfall online auf der Website deiner Universität.

Folgende Punkte gehören laut verschiedenen Promotionsordnungen zu den Anforderungen an eine Doktorarbeit:

  • Eigenständigkeit + Selbständigkeit
  • Beherrschung der wissenschaftlichen Arbeit
  • Erkenntnisfortschritt also neue wissenschaftliche Erkenntnisse

Schauen wir uns diese Punkte genauer an.

Eigenständigkeit und Selbständigkeit

In der Promotionsordnung der Universität Frankfurt heißt es beispielsweise zum ersten Punkt der Eigenständigkeit und Selbständigkeit, dass „[d]ie als Dissertation vorgelegte Abhandlung […] eine sachlich geschlossene, selbständige Leistung des Bewerbers in angemessener Darstellung sein […] [muss]“. In ähnlicher Form finden wir das in der Promotionsordnung der Universität Tübingen wieder, in der es heißt: „Der Doktorand muss durch seine Dissertation zeigen, dass er zu selbständiger wissenschaftlicher Arbeit fähig ist“.

Wir nehmen jetzt einfach mal an, dass das für die Doktorandin genauso gilt 😉

Das bedeutet für dich konkret, dass du deine Dissertation allein verfasst und damit zeigst, dass du imstande bist, wissenschaftliche Projekte selbst durchzuführen. Natürlich hast du deine Betreuerin oder deinen Betreuer an deiner Seite und kannst mit ihnen Probleme besprechen. Aber im Zweifel wirst du selbst irgendwann so sehr die Expertin in deinem Thema sein, dass auch deine Betreuer*innen dir nicht mehr mit allem weiterhelfen können.

Beherrschung der wissenschaftlichen Arbeit

Die Beherrschung der wissenschaftlichen Arbeit ist dazu natürlich notwendig, also um eigenständig und selbständig wissenschaftlich zu arbeiten. In der Promotionsordnung der Uni Mainz heißt es beispielsweise, dass man durch seine Promotionsleistung nachgewiesen haben muss, dass die Bewerberinnen und Bewerber „die Technik des wissenschaftlichen Arbeitens beherrschen“. Laut Promotionsordnung geisteswissenschaftlichen Fächer der FU Berlin wird durch die Promotion „die Befähigung zu vertiefter wissenschaftlicher Arbeit durch eigene Forschungsleistungen nachgewiesen“.

Erkenntnisfortschritt

Zum letzten Punkt des Erkenntnisfortschritts gibt es ebenfalls einschlägige Formulierungen in den Promotionsordnungen. So heißt es beispielsweise in der Ordnung der Uni Tübingen, dass der Doktorand bzw. die Doktorandin „in der Dissertation eigene Forschungsergebnisse, die neue wissenschaftliche Erkenntnisse vermitteln, in angemessener Form und in angemessenem Umfang darlegen [muss]“.

Danach folgt eine lange Klausel dazu, was passiert, wenn zeitgleich oder zuvor ähnliche Ergebnisse veröffentlicht worden sind. Ich werde diese Klausel jetzt nicht vorlesen. Aber weil die Angst, dass einem jemand zuvorkommt, zu den Grundängsten der meisten Promovendinnen gehört, wollte ich es zumindest erwähnt haben, dann kannst du selbst nachschauen, wenn es dich interessiert.

Die ganzen erwähnten Promotionsordnungen findest du übrigens auch oben auf dieser Seite verlinkt mit dem Hinweis auf die entsprechenden Paragraphen, aus denen ich zitiert habe. Dann kannst du sie noch einmal nachlesen, wenn du willst.

Aber wie bereits gesagt, am sinnvollsten ist es natürlich, in deine eigene Promotionsordnung zu schauen und dir die Formulierungen dort anzusehen.

Möglichkeit 1: Baue auf dem auf, was du schon kennst

Kommen wir jetzt aber endlich zu dem Punkt, auf den du sicher schon gespannt gewartet hast: Die verschiedenen Möglichkeiten, ein Promotionsthema zu finden. Ich will dir im Folgenden drei Möglichkeiten vorstellen. Natürlich sind diese drei Möglichkeiten, wie du dein Promotionsthema finden kannst, nicht völlig isoliert voneinander zu begreifen.

Eine erste Möglichkeit ist es, dich am Thema deiner Masterarbeit zu orientieren. Vor allem dann, wenn sie noch nicht lange zurückliegt, bist du bereits gut in das Feld eingearbeitet und hast einen ersten groben Überblick über den Forschungsstand. So weißt du unter Umständen auch bereits, wo es sich lohnen könnte, weiterzuarbeiten.

Mach dir ein Cluster oder ein Mind Map und überlege, welche mit deinem Thema verwandten Bereiche es noch gibt. Vielleicht kannst du auch die Methodik variieren? Eventuell hast eine qualitative Studie in deiner Masterarbeit gemacht und kannst nun das Forschungsdesign ausbauen und die Ergebnisse von damals mit quantitativen Methoden und breiter angelegt überprüfen?

Oder du bist während der Arbeit an deiner Masterarbeit auf einen Aspekt gestoßen, der dir sehr interessant vorkam und Potenzial hat, bei dem du aber nicht die Möglichkeit hattest, ihn dir genauer anzuschauen? Vielleicht lohnt es sich hier näher hinzuschauen und zu überlegen, ob du daraus ein Thema für die Doktorarbeit stricken kannst.

Diese Taktik, dir ein Thema auszusuchen, mit dem du dich bereits auskennst, hat den Vorteil, dass du nicht nur Zeit sparst, weil die Einarbeitung wegfällt. Sondern du auch einen realistischeren Zeitplan aufstellen kannst und besser abschätzen kannst, inwiefern das Thema wirklich ein Desiderat darstellt, also eine Forschungslücke. Denn du kennst den Forschungsstand ja bereits.

Möglichkeit 2: interessensgeleitete Themensuche

Die zweite Möglichkeit, wie du ein Promotionsthema finden kannst, ist es, dir zu überlegen, welche Themen dich interessieren. Egal welche Möglichkeit du wählst, um dein Thema zu finden, sollte das natürlich immer der Fall sein. Also zum Beispiel auch, wenn du auf deiner Masterarbeit aufbaust.

Schließlich wirst du dich mit diesem Thema mehrere Jahre deines Lebens auseinandersetzen. Umso besser, wenn es dich wirklich fasziniert und du gar nicht abwarten kannst, tiefer und tiefer in die Materie einzusteigen.

Wenn du ein Promotionsthema findest, dass dich wirklich, wirklich interessiert, wird es dir viel leichter fallen, dran zu bleiben, wenn es mal schwierig werden sollte.

Wie gehst du nun konkret vor, um ein Thema zu finden? Schreibe dir auf, was dir in deinem Studium besonders viel Spaß gemacht hat. Bei welchem Seminar warst du voller Eifer bei der Sache und konntest die nächste Sitzung gar nicht erwarten? Welches Referat, welche Hausarbeit haben dir besonders viel Freude bereitet?

Lese Fachzeitschriften und Aufsätze zu den Themen, die dir interessant erscheinen, um mehr darüber zu erfahren und herauszufinden, wo Anknüpfungspunkte für deine eigene Forschung sein könnten.

Wenn du es einrichten kannst, besuche Fachtagungen und Konferenzen. Dort bekommst du hautnah mit, zu welchen Themen aktuell geforscht wird und wo es Potenzial gibt. Sprich dort mit den Vortragenden und anderen Promovend*innen und quetsche sie ruhig ein wenig über ihr Forschungsgebiet aus. Solange du echtes Interesse hast und höflich fragst, werden sie sich über deine Fragen freuen.

Wenn du ein Oberthema gefunden hast, versuche möglichst viel in dem Bereich zu lesen. So bekommst du ein Gefühl dafür, wo Bedarf für mehr Forschung sein könnte und merkst unter Umständen, dass ein bestimmter Aspekt eines Themas nie beachtet worden ist. Oder dir fällt auf, dass ein Thema zwar bereits erforscht ist, aber nicht mit der Methode, die du verwenden würdest oder ausgehend von anderen Theorien.

Und noch ein Tipp

In Doktorarbeiten findest du im Normalfall im Fazit oder Schlusswort auch immer Hinweise auf Forschungsdesiderate. Das heißt aktuelle Dissertationen können dir auch als Inspirationsquelle dienen, um dein Promotionsthema zu finden. Dass du überprüfen musst, ob die beschriebenen Forschungslücken auch wirklich (noch) existieren, versteht sich dabei von selbst.

Möglichkeit 3: strategische Themensuche

Die dritte Möglichkeit, wie du ein Promotionsthema finden kannst, ist strategisch vorzugehen. Dazu kann es zum Beispiel auch gehören, ein Thema zu suchen, in das du bereits gut eingearbeitet bist, wie ich es dir bei der ersten Möglichkeit beschrieben habe.

Es kann aber auch sein, dass du aus strategischen Gründen genau das Gegenteil tun willst, weil es einen anderen Bereich gibt, in dem du dich profilieren möchtest. Dein Promotionsthema wird maßgeblich deine wissenschaftliche Positionierung bestimmen. Wenn du also bereits eine Vorstellung hast, in welchem Forschungszweig du später einmal arbeiten möchtest, bist du gut damit bedient, dir ein Thema in diesem Bereich zu suchen.

Aber auch wenn du außerhalb der Wissenschaft arbeiten möchtest, kann es sein, dass du mit der Doktorarbeit Wissen erwerben willst, dass für deinen Traumjob relevant ist. Und natürlich nicht nur erwerben, sondern auch nach außen vermitteln, dass du eine Expertin in diesem Bereich bist.

Falls du überlegst, deine Kooperation mit einem Unternehmen zu machen, dann kann das auch der Einstieg in einen Job dort sein. Denn während deiner Forschungsarbeit sammelst du natürlich viel Wissen über das Unternehmen an, was dich wiederum attraktiv für dieses als potenzielle Mitarbeiterin macht.

Startklar?

So, ich hoffe, diese drei Möglichkeiten, ein Promotionsthema zu finden, konnten dir bei der Suche nach deinem Thema für die Doktorarbeit helfen. Überlege dir, was dir besonders wichtig ist und wie du es schon bei der Themenauswahl schaffst, den Baustein für eine dauerhafte Motivation zu legen.

Vielleicht sind dir beim Hören der Folge noch mehr Punkte eingefallen, die wichtig sind. Mir persönlich war es beispielsweise wichtig, dass mein Promotionsthema eine gesellschaftliche Relevanz hat und ich mit meiner Forschung – hoffentlich – ein Stück zur Verbesserung der Gesellschaft beitragen kann.

Nächste Woche geht es dann um die Eingrenzung deines Themas, denn wenn du dich einmal für eines entschieden hast, ist es wichtig, dieses so zu fassen, dass du es auch innerhalb von ein paar Jahren bearbeiten kannst.

Vergiss nicht, diesen Podcast zu abonnieren, damit du keine neue Episode mehr verpasst. Wenn er dir weiterhilft, dann hilft er sicher auch anderen, also erzähle gerne weiter, dass es ihn gibt.

Wir hören uns wieder nächste Woche und bis dahin: Viel Erfolg beim Finden deines Promotionsthemas!

Deine Marlies

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