Glücklich Promovieren

Episode #018

4 Wege aus der Schreibblockade

von Dr. Marlies Klamt | Glücklich Promovieren Staffel 1 Episode #018

Kennst du das: Du hast den Text eigentlich schon seit Wochen komplett im Kopf, aber schaffst es einfach nicht, ihn aufzuschreiben? Mit jedem Tag, den du dir vornimmst, etwas zu schreiben und es dann doch nicht tust, wird die Hürde größer?

In Episode 18 zeige ich dir vier Wege aus der Schreibblockade. 

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4 Wege aus der Schreibblockade

Kennst du das: Du hast den Text eigentlich schon seit Wochen komplett im Kopf, aber irgendwie schaffst du es nicht, ihn aufzuschreiben? Mit jedem Tag, den du dir vornimmst, etwas zu schreiben und es dann doch nicht tust, wird die Hürde größer?

Der Podcast richtet sich ja in erster Linie an Geistes- und Sozialwissenschaftlerinnen und für die ist das Schreiben ein wichtiger Bestandteil der Promotion. Das Schreiben macht einen Großteil der Zeit aus, die du für deine Dissertation aufwendest.

Falls es zu deinen Lieblingsaufgaben gehört, gratuliere ich dir ganz herzlich, denn dann wird das Vorhaben mit Freude zu Promovieren schon einmal um einiges leichter. Aber auch, wenn du gerne schreibst, kann es gut sein, dass du irgendwann an den Punkt kommst, wo nichts mehr geht. Und wenn es dir sowieso schon schwerfällt, dann besteht die Gefahr für Schreibblockaden umso mehr.

Wie eine unüberwindbare Straßensperre scheint es einfach unmöglich zu sein, sich an den Computer zu setzen und loszutippen. Klar, der Wille ist da, der Zeitdruck auch, aber irgendwie läuft es nicht. Du suchst dir andere Aufgaben, recherchierst noch ein wenig da, liest noch einen Artikel dort, formatierst das letzte Kapitel noch einmal ordentlich und kontrollierst die Fußnoten. Aber das, was du eigentlich jetzt tun solltest – nämlich weiterzuschreiben – verschiebst du immer wieder auf morgen.

Genauso groß ist die Hürde oft, wenn es darum geht, das allererste Kapitel anzugehen. Für diese spezielle Situation habe ich dir in Episode 13 schon einige Tipps gegeben.

Heute gibt es einen schönen bunten Blumenstrauß an Möglichkeiten, mit dem Schreiben anzufangen bzw. weiterzumachen. Ja, wie immer darfst du dir deine Lieblingsblumen herauspicken. Aber wie immer ermutige ich dich auch, dir auch die Methoden einmal näher anzuschauen, die dir auf den ersten Blick etwas suspekt erscheinen oder bei denen du denkst, das funktioniert ja sowieso nicht.

Ursachenforschung

Ganz abgesehen von den Hacks, die ich heute mit dir teilen werde, um deine akute Schreibblockade zu überwinden, möchte ich dir nahelegen, dich damit auseinanderzusetzen, woher die Schreibblockade kommt. Also statt nur Symptome zu behandeln, dir anzuschauen, woher die Krankheit eigentlich rührt. Was genau macht dir Angst, was blockiert dich? Wenn du zum Beispiel eine Schreibblockade kurz vor der Abgabe deiner Doktorarbeit hast, dann kann dahinter die Angst stecken, mit der Promotion und damit auch diesem Lebensabschnitt fertigzuwerden und all den Veränderungen ins Auge zu schauen, die damit einhergehen: Dir einen Job suchen zu müssen, eventuell umzuziehen usw.

Je nachdem, wie tief die Ursache für deine Blockaden sitzt und wie gut du sie identifizieren kannst, desto leichter wird es dir fallen, aus dem Teufelskreis auszubrechen oder nicht. Die Ursachenforschung kann dir dabei helfen, besser zu verstehen, woher die Blockade kommt und dann daran zu arbeiten, sie aufzulösen. Wenn du dir eine Episode zur Auflösung von Glaubenssätzen wünschst, dann werfe mir gerne einen digitalen Zettel ein in die Wunschbox unter diesem Text.

Beim Planen dieser Folge habe ich gemerkt, dass ich gar nicht mehr aufhören kann, Ideen aufzuschreiben *hüstel, hüstel* zu diesem Thema. Damit die Episode ungefähr im Rahmen bleibt, werde ich sie deshalb in zwei Teile aufteilen. Diese Woche gibt es vier handfeste Hacks, um deine Schreibhemmungen abzubauen. Falls dir diese nicht weiterhelfen, dann höre dir unbedingt die Folge 19 nächste Woche an, in der ich auf kreative Schreibtechniken eingehen werde und wir uns erst mal von Schreibmöglichkeiten, die gar nichts mit deiner Dissertation zu tun haben nach und nach zum Schreiben deiner wissenschaftlichen Texte vorarbeiten werden.

4 Hacks gegen Schreibblockaden

1. Texte soweit vorbereiten, dass sie sich wie von selbst schreiben:

Nicht jeder Promovendin liegt diese Art der strukturierten Vorbereitung von Texten, aber je komplexer das Thema ist, umso wichtiger ist, es, deine Gedanken vorab zu sortieren. Deshalb stelle ich dir einige Möglichkeiten vor, das nächste Kapitel so vorzubereiten, dass es sich fast wie von selbst schreibt. Du kannst die verschiedenen Herangehensweisen auch miteinander kombinieren, wenn du möchtest. Alle Möglichkeiten sollen dir helfen, dein Kapitel vorab soweit zu gliedern und inhaltlich greifbar zu machen, dass du es später nur noch „ins Reine“ schreiben musst.

Die ersten Möglichkeiten sind ein weniger intuitiver und visueller und deshalb vor allem für Promovendinnen geeignet, die weniger gerne Gliederungen machen und Strukturen lieber visuell vor sich sehen.

Mind Mapping

Beim Mind Mapping stellst du im Prinzip deine Gliederung für dein Kapitel grafisch dar. Zunächst schreibst du den Begriff in die Mitte deiner Seite, zu dem du Ideen sammeln willst. Das könnte zum Beispiel dein Kapitel plus Überschrift sein. Anschließend zeichnest du von diesem Begriff aus Strahlen, an die du Unterthemen schreibst, die relevant sind. Bei einem Theoriekapitel könnte da zum Beispiel stehen Theorie 1 – mit Namen natürlich –, Theorie 2 usw.

An diese Begriffe kannst du nun auch wieder Strahlen anfügen, zum Beispiel die Namen der Vertreter und Vertreterinnen der jeweiligen Theorie. Das heißt du hast am Ende bereits eine erste Übersicht zu deinem Kapitel, weißt, welche Punkte wichtig sind und in welche Unterpunkte sich diese gliedern. Aus dieser Übersicht kannst du nun die Gliederung des Kapitels bauen und dabei überlegen, welche Punkte logisch am Anfang des Kapitels stehen sollten, welche in der Mitte und welche am Ende und wie du logische Brücken zwischen den einzelnen Teilen schaffen kannst.

Clustern

Falls dir diese Vorgehensweise immer noch zu strukturiert ist, dann probiere es mit dem Clustern, da kannst du noch assoziativer vorgehen. Dabei schreibst du ebenfalls zuerst dein Thema in die Mitte der Seite  in einen Kreis und von diesem aus zeichnest du den nächsten Kreis. Alle Gedanken zum Thema schreibst du nun in Kreise, die du entweder über Linien mit dem Kreis in der Mitte oder einem der anderen Kreise verbindest, je nachdem wohin der Gedanke passt. Es geht hier also um eine Verschriftlichung oder Niederlegung deiner Assoziationen zu einem Thema in Kurzform. Wenn dein Cluster fertig ist, dann kannst du es ebenfalls als Grundlage für die weitere Vorbereitung des Kapitels benutzen.

Dazu empfehle ich dir, dir selbst einige Leitfragen zu stellen. Das könnten zum Beispiel sein:

  • Was soll in den Text?
  • Was ist das Ziel bzw. die Funktion des Kapitels?
  • Welche Punkte möchte ich unbedingt rüberbringen?

Je nachdem, um welche Art von Kapitel es sich handelt, wirst du darüber hinaus zum Beispiel folgende Fragen beantworten wollen:

  • Welche Argumente gibt es für Position A, welche für Position B und wie leite ich daraus meine Position ab?
  • Welche Theorien sind relevant für mein Thema? Wie ordne ich diese in Bezug auf meine Hypothesen ein?
  • Wieso habe ich die Methode ausgewählt? Wie funktioniert sie? Wie kann ich damit meine Forschungsfrage beantworten?

Mache dir selbst am besten erst einmal eine Liste mit Fragen, die du im Kapitel beantworten willst. Das gleiche gilt natürlich auch für andere Texte, zum Beispiel einen Aufsatz, den du veröffentlichen willst. Anhand dieser Fragen kannst du dann Stichworte sammeln. Zu deinen Stichworten kannst du nun Argumente aufschreiben, wer die Position vertritt usw. Dabei können dir dein Mind Map oder Cluster helfen.

Überlege dir, wie du die Punkte logisch aufeinander aufbauen lassen kannst. Dazu gibt es nicht eine Lösung, sondern es gibt immer vielfältige Möglichkeiten, die Inhalte deines Kapitels anzuordnen. Wenn du einen Gedankenschritt auf einen vorherigen aufbauen willst, dann musst du natürlich eine Reihenfolge beachten, aber prinzipiell solltest du dich vor allem darauf konzentrieren, dass die Reihenfolge insgesamt schlüssig ist und nachvollziehbar bleibt. Wenn deine ausführliche Gliederung mit allen Argumenten, Theorien usw. dann fertig ist, musst du nur noch ausformulieren. Wenn das eine Aufgabe ist, die dir schwer fällt, höre dir unbedingt die Folge nächste Woche an.

2. Sprechen statt schreiben

Sprich über das Thema deines nächsten Kapitels, am besten mit einer Mitdoktorand*in. Wenn es geht, dann suche dir jemanden vom Fach. Wähle eine Person, die dir wohlgesonnen ist, aber die auch bereit ist, kritisch nachzufragen, wenn du in deiner Erklärung Logiksprünge hast. Nimm das Gespräch mit einem Diktiergerät oder einfach mit deinem Smartphone auf und höre es später noch einmal an, mache dir Notizen und schreibe dir die Formulierungen auf, die du im Gespräch verwendet hast und die bereits gelungen sind und die du so für das Kapitel verwenden kannst.

Diese Methode lege ich dir besonders ans Herz, wenn du denkst, dass du „eigentlich schon alles im Kopf hast“, aber es nur irgendwie nicht schaffst, es aufzuschreiben. Wenn also die Route Kopf – Papier gerade blockiert ist, suche eine andere Route, die Worte fließen zu lassen und nimm den Umweg über das mündliche Gespräch.

Dabei können dann zwei Dinge passieren: Entweder, du bekommst wertvolle Anregungen für den Text und schaffst es danach, dich an dessen Bearbeitung zu machen. Oder aber du merkst, dass du nur dachtest, dass du alles bereits im Kopf hast und es tatsächlich noch recht wirr darin aussieht und du erst einmal noch andere Baustellen angehen musst, bevor du das Kapitel bzw. den Text schreiben kannst. Theoretisch kannst du diese Übung natürlich auch alleine machen und dir nur vorstellen, dass du mit jemandem sprichst und das aufnehmen.

Da dir das direkte Feedback einer anderen Person aber dabei hilft, Logiksprünge zu entdecken und ihr unter Umständen auch gemeinsam Lösungen findet für Stellen, an denen du nicht weiterweißt, empfehle ich dir wärmstens, dir dafür eine andere Person zu suchen.

3. Schreibroutinen

Hinterfrage deine bisherigen Gewohnheiten beim Schreiben und schaffe dir Routinen, die es dir leichter machen, in den Schreibmodus zu kommen. Und auch wenn sich das erst einmal widersprüchlich anhört: Brich deine Gewohnheiten und Routinen auch einmal, wenn du gerade eine Schreibhemmung hast.

Zu den Gewohnheiten gehört zum Beispiel, wo du schreibst. Schreibst du normalerweise zu Hause? Im Büro? In der Bibliothek? Dann probiere es einmal mit einem anderen Ort aus. Manchmal verändert sich auch im Außen etwas, dass einen guten Schreibort plötzlich zu einem schlechten werden lässt. Wenn du zum Beispiel immer gut zu Hause schreiben konntest, weil es schön ruhig war und du nun eine Baustelle vor dem Haus hast, dann kann dich der Baustellenlärm vielleicht immer wieder aus dem Schreibmodus reißen und es ist besser, wenn du dir für die Zeit einen anderen Schreibort suchst.

Wenn du dich leicht ablenken lässt, sorge für eine Umgebung, die möglichst aufgeräumt ist. Benutze Ohrstöpsel. Oder höre über Kopfhörer Konzentrationsmusik, um ganz in deine eigene Schreibwelt einzutauchen. Wenn du auf YouTube nach Konzentrationsmusik oder nach Musik zum Arbeiten suchst, dann findest du jede Menge ruhiger Musik.

Vielleicht arbeitest du auch lieber gemeinsam statt einsam? Dann suche dir einen Schreibtreff – entweder vor Ort oder als digitaler Copromotions-Space also eine Gruppe, die sich regelmäßig online zum Schreiben trifft. Auf doktorandenforum.de gibt es zum Beispiel einen Schreibtreff.

4. Der Holzhammer: Pomodoro-Technik verwenden

Okay, ich gebe es zu, diese Methode ist nicht sehr subtil. Aber sie kann funktionieren. 25 Minuten wird nichts anderes gemacht, als auf den Bildschirm gestarrt – und entweder geschrieben oder nicht. Wenn du die Pomodoro-Technik noch nicht kennst, dann höre dir Episode 14 an, da erkläre ich dir, wie sie funktioniert.

Reserviere dir den Timeslot und setze dich an den PC. Wenn du es nicht schaffst, etwas für die Dissertation zu schreiben, dann schreibe etwas anderes. Schreiben ist erlaubt, alles andere nicht. Ich will natürlich nicht, dass du mit Hilfe dieser Methode irgendwann einen fiktionalen Roman fertigstellt hast, statt eine Seite mit der Doktorarbeit weitergekommen zu sein. Wenn du es also die ersten paar Mal nicht schaffst, an der Diss zu arbeiten, dann schreibe etwas anderes. Irgendwann solltest du dir aber dann selbst zur Aufgabe setzen, in den 25 Minuten auch tatsächlich an der Dissertation zu schreiben.

Das waren meine Promotionshacks gegen Schreibblockaden für dich. Ich möchte dich inständig bitten, nicht zu streng mit dir zu sein. Blockaden lösen sich nicht, indem man gegen sie ankämpft, sondern indem man Schritt für Schritt einen Stein nach dem anderen aus dem Weg räumt. Gestehe dir also selbst zu, Minischrittchen machen und dich langsam aus der Blockade zu befreien. Erkenne dich selbst für jeden Stein an, den du aus dem Weg gerollt hast. Und dann auf zum nächsten!

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