Glücklich Promovieren

Episode #026

Promovieren bis zur Rente

von Dr. Marlies Klamt | Glücklich Promovieren Staffel 1 Episode #026

Mal ganz ehrlich: Die Promotion ist schon eine fantastische Zeit! Wer will damit ernsthaft irgendwann aufhören? Der Ernst des Lebens soll ruhig umsonst auf dich warten, du widmest dich ganz der Doktorarbeit.

Mit meinen 17 Tipps schaffst du es mir Leichtigkeit, bis zur Rente zu promovieren.

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Promovieren bis zur Rente: wie du es schaffst, ewig zu promovieren

Nachdem die letzten drei Episoden, in denen es um die Themenfindung, Themeneingrenzung und Literaturrecherche ging recht informationslastig waren, wird es heute etwas lockerer zugehen. Ich will dir 17 Tipps geben, wie du es schaffst, bis zur Rente zu promovieren.

Ich weiß, da draußen gibt es einige Expertinnen und Experten in dem Bereich, aber auch wenn ich mich nicht dazu zähle, habe ich doch eine gewisse Expertise.

Denn mal ganz ehrlich: Die Promotion ist schon eine fantastische Zeit! Wer will damit ernsthaft irgendwann aufhören? Der Ernst des Lebens soll ruhig umsonst auf dich warten, du widmest dich ganz der Doktorarbeit.

Tipp Nr. 1: Grenze dein Thema nicht ein

Ich weiß, in Episode 23 habe ich darüber gesprochen, wie wichtig es ist, dein Thema einzugrenzen. Aber da hatten wir eine andere Zielsetzung. Heute soll es ja darum gehen, wie frau es schafft, nie fertig zu werden. Und da hilft es ungemein, ein möglichst offenes und nicht eingegrenztes Thema zu haben.

Eine Forschungsfrage solltest du in diesem Zuge auch nicht formulieren. Denn das wäre ja schon eine gewisse Eingrenzung. Und wenn du bis zur Rente promovieren willst, solltest du alles, was dein Thema zuspitzt, tunlichst vermeiden.

Tipp Nr. 2: Wähle ein Thema, das dich nicht interessiert

Auch ein Thema, auf das du keine Lust hast, hilft sehr, das Ende deiner Diss in unendliche Ferne rücken zu lassen. Zwar hast du dann nicht das Problem, zu viel lesen zu wollen. Aber du hast erst gar keine Motivation, dich überhaupt damit auseinanderzusetzen. Und was gibt es Besseres, um nicht voranzukommen?

Jetzt kommen wir zu einer Reihe von Tipps, die mit Veränderungen zu tun haben. Wenn du ganz sicher sein willst, dass sie wirken, dann befolgst du am besten alle. Mehrmals.

Tipp Nr. 3: Wechsle dein Thema

Mindestens einmal solltest du auf jeden Fall dein Thema wechseln. Möglichst grundlegend. Ich meine, hey, da draußen gibt es soooo viele Themen! Wie kann ein vernünftig denkender Mensch da nur bei einem bleiben?

Besonders effizient ist diese Methode, wenn du sie regelmäßig alle paar Jahre anwendest. Spätestens, wenn du so weit wärst, loszuschreiben, solltest du den nächsten Themenwechsel planen. Vertraue mir, das funktioniert!

Tipp Nr. 4: Ändere deine Methode

Gleiches gilt für die Methode. Fange mit Methode A an, entscheide dich dann, dass es doch besser wäre mit Methode B weiterzumachen. Dann kannst du dich an einem Mix von A und B versuchen. Und garantiert stimmst du mir zu, dass es nun Zeit ist, Methode C auszuprobieren. Eventuell willst du dann sogar A, B und C kombinieren?

Tipp Nr. 5: Ändere deine Theorie

Wenn wir schon dabei sind: Deine Theorie könnte auch mal wieder ausgetauscht werden. Davon gibt es wirklich genügend. Wie bei deinem Thema empfehle ich auch hier, regelmäßig zu überdenken, ob ein anderer theoretischer Überbau deine Arbeit nicht verlängern könnte.

Hier noch ein Extratipp: Je weniger du über die neue Theorie weißt, desto länger wirst du benötigen, um dich einzuarbeiten. Und das Schöne ist: Es gibt so viele davon. Wenn sie dir irgendwann ausgehen, schaue gerne auch bei anderen Fächern vorbei. Irgendwo findet sich bestimmt noch eine neue. Und schon sind wir unserem Ziel, bis zur Rente zu promovieren, wieder ein gehöriges Stück nähergekommen.

Tipp Nr. 6: Wechsle deine Betreuung

Auch ein Wechsel deiner Doktormutter oder deines Doktorvaters kann deine Promotion wieder ein ganzes Stück hinauszögern. Aber pass auf, dass du das nicht zu oft machst, damit dich nicht irgendwann keiner mehr annimmt. Unser Ziel ist es ja nicht, die Promotion abzubrechen, sondern – im Gegenteil – nie damit fertigzuwerden.

Tipp Nr. 7: Wechsle die Uni

Mit einem Betreuungswechsel geht auch oft ein Uniwechsel einher. Ein Traum für jederfrau, die für immer promovieren will. Auch wieder ein Punkt, den du in regelmäßigen Abständen einbauen solltest.

Tipp Nr. 8: Ändere grundlegende Lebensumstände

Dieser Punkt ist ein wenig tricky. Denn nicht alle Lebensumstände hängen von dir ab. Nicht alle sind gleichermaßen planbar. Dennoch helfen sie gegebenenfalls, dass deine Doktorarbeit mehr Zeit kostet. Und je länger du promovierst, desto wahrscheinlicher ist es, dass sie eintreten.

Zu diesen Lebensumständen gehört es beispielsweise, umzuziehen in eine andere Stadt – besser noch ein anderes Land –, deinen Partner oder deine Partnerin zu wechseln oder Kinder zu bekommen.

Tipp Nr. 9: Plane nicht

Keine Pläne zu machen ist super, sonst kommst du nachher noch in Versuchung, sie einzuhalten. Falls du schon einen Plan gemacht hast, dann befolge unbedingt Tipp Nr. 10.

Tipp Nr. 10: Halte dich nicht an deine Pläne

Ignoriere den Plan einfach. Du hast aufgeschrieben, dass die Literaturrecherche bis August abgeschlossen sein kann? Hallo, wie lange hast du noch bis zur Rente? Mehr als genügend Zeit. Also recherchiere einfach weiter, so lange wie du Lust und Laune hast. Und gerne auch darüber hinaus.

Ich garantiere dir, dass immer neue Literatur dazukommen wird, denn andere Leute schließen ihre Forschungsarbeiten ja ab. Das Material wird dir also zum Glück nie ausgehen.

Tipp Nr. 11: Nimm dir keine Auszeiten

Pausen sind was für Anfängerinnen. Und für Fertigwerdewollerinnen. Glaube mir: Spätestens nach ein paar Jahren ohne Urlaub wirst du dauerhaft im Zombiemodus sein. Und dank dessen die Dissertation zum Endlosprojekt machen.

Tipp Nr. 12: Mach dir keine Gedanken, was du nach der Doktorarbeit machen willst

Jetzt mal Butter bei die Fische. Wenn du jetzt schon ein Leben nach der Promotion planst, dann scheinst du es nicht wirklich ernst damit zu meinen, bis zur Rente zu promovieren. Sonst würdest du dir über ein Leben nach der Diss überhaupt keine Gedanken machen. Deshalb: Pläne dafür, was du mit deinem Leben „danach“ anfangen willst, bitte strengstens unterlassen. Siehe auch Tipp Nr. 9. Pläne sind böse. Du willst ja nicht vorwärtskommen.

Tipp Nr. 13: Die Diss kommt immer an letzter Stelle

Ein hervorragender Tipp zum Zeitschinden ist es auch, die Dissertation immer zurückzustellen. Erst der Job, die Familie, dein Hobby, deine Freunde und Freundinnen, die Weltreise, der fiktionale Roman, den du schon immer schreiben wolltest… Die Liste ist lang und attraktiv! Und noch ein Gefahrenhinweis: Höre auf keine Fall Episode 8. Das wäre wirklich extrem kontraproduktiv!

Tipp Nr. 14: Vernachlässige deinen Körper

Damit meine ich jetzt nicht, dass du fortan nicht mehr duschen solltest. Aber keinen Sport zu machen und möglichst viele Stunden täglich am Schreibtisch zu sitzen, wäre beispielsweise eine begünstigende Maßnahme. Irgendwann hast du dann nämlich einen Bandscheibenvorfall und das wird dein Promotionsprojekt auf unbestimmte Zeit verzögern. Rente, ich seh dich schon in Reichweite!

Ach ja, dabei hilft es übrigens auch keinen guten Arbeitsplatz zu haben. Du weißt schon, so einen, bei dem die Arme rechtwinklig aufliegen, die Tastatur ergonomisch geformt ist, der am Ende noch einen höhenverstellbaren Tisch hat und dieses ganze Blablabla.

Jetzt hab ich zum Abschluss noch ein paar psychologische Tipps für dich, um das Ganze abzurunden.

Tipp Nr. 15: Hab Angst vor Bewertung durch andere

Angst vor der Bewertung deiner Arbeit durch andere zu haben, ist eine feine Sache. Denn erstens wirst du so gar nicht groß in Versuchung zu kommen, mit dem Schreiben anzufangen. Und wenn du was geschrieben hast, dann wird es dir sicher nicht gut genug vorkommen, um es der Kritik anderer auszusetzen. Auch hier ein Gefahrenhinweis: Episode 10 und Episode 11 zum Umgang mit Kritik sind tabu für dich!

Sobald Selbstzweifel aufkommen, nähre sie bitte. Damit sie wachsen, brauchen sie Futter. Gib ihnen ruhig jedes Mal ein Bonbon, wenn sie sich melden. Das schaffst du zum Beispiel, indem du dir immer wieder folgende Fragen stellst: Kann ich das überhaupt? Ist das überhaupt sinnvoll, was ich mache? Bin ich überhaupt intellektuell fähig, zu promovieren?

Eng verbunden mit Tipp 15 ist Tipp 16.

Tipp Nr. 16: Strebe Perfektionismus an

„Perfect is better than done“ – oder wie war das nochmal? Je perfektionistischer du veranlagt bist, umso leichter wirst du es haben, etwas zu finden, warum du noch nicht bereit bist, in den Endspurt zu gehen. Dazu gehört auch ein Vorhaben der besonderen Art, das ich dir in Tipp 17 vorstelle.

Tipp Nr. 17: Nimm dir zum Ziel ein Meisterwerk zu schaffen

Hattest du etwa vor, etwas anderes als ein Meisterwerk zu fabrizieren? Ich bin enttäuscht von dir. Der Nobelpreis sollte das sein, woran du deine Arbeit ausrichtest. Und wenn sie noch nicht nobelpreisverdächtig ist, dann ist sie noch nicht fertig. So einfach ist das. Basta!

Das wars

So, mit diesen 17 Tipps sollte deiner Promotion bis zur Rente nichts mehr entgegenstehen. Denn was gibt es Schöneres, als zu promovieren? Wer will schon ein Leben nach der Diss?

Beherzige meine Tipps also. Vielleicht hast du auch noch welche, die helfen, die Promotionszeit ins Unermessliche zu strecken? Lass es mich gerne wissen. Auf der Website zu dieser Folge kannst du ganz einfach einen Kommentar hinterlassen.

Ich freue mich von dir zu lesen!

Falls dir diese Episode gefallen hat, dann gefällt dir sicherlich auch Episode 6, in der ich dir eine Anleitung zum Unglücklichsein gebe.

Wir hören uns dann wieder nächsten Mittwoch und zwar mit einer ganz besonderen Folge zum Halbjährigen. Bis dahin alles Gute und viel Freude am Promovieren bis in alle Ewigkeit!

Deine Marlies

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